Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 4-5 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 118 (sequence 8)
- Belongs to
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115 Thora im derech erez. Von P. K. (Einige Worte zur;Einleitung.) Auch auf dem Gebiet der Geistigkeit ergibt sich die Alternative: Mode oder Genie. Eine andere Form für die alte Frage: Ist es der Einzelne, der seiner ״Zeit“ sein Gepräge aufdrückt, oder ist es die ״Zeit“, deren von ihr erzeugter Inhalt seinen Niederschlag in dem Einzelnen zum Ausdruck kommen läßt, sei dieser Einzelne auch der Größte, sei er auch ein Genie, das — wie man sagt — mit den Mitteln der Zukunft arbeitet. Dieselbe Alternative obwaltet auch in dem mehr als zweitausendjährigen Kampf innerhalb der Judenheit, der sich im vorigen Jahrhundert zu dem schlagwortartigen Programm: tauro im derech erez verdichtete. Eines sei vorweggenommen. Kulturfeindlichkeit gab es nie in irgend einem jüdischen Lager, nur ein größerer oder geringerer Grad von Kulturängstlichkeit war und ist vorhanden. Parallel damit lief und läuft ein mehr oder minder größerer Grad des ,Vertrauens in die sieghafte Kraft der Thora, die auch im Einzelnen alle Widerstände überwindet. Allgemein zugestanden ist, daß es Kulturformen und Kulturäußerungen geben kann, die von der Thora abgelehnt werden und deshalb von den Trägern der Thora abgelehnt werden müssen, täglich schrumpft also die ganze Frage auf eine Frage der Quantität ein. Wir haben bisher und namentlich bei dem unmittelbar vorstehenden Satz es absichtlich vermieden, den Begriff Kultur zu umschreiben. Tatsächlich verstand man in dem Austrag der Gegensätze unter diesem Wort das jeweilige Wissen und die jeweilige Weltanschauung der Umwelt, zum Teil auch die äußere Form der Lebensführung, also etwa das, was man als ästhetische Kultur anspricht, oder unter dem Sammelbegriff ״Mode“ versteht, vgl. die Summe all dieser Einzelbegriffe, die man Hellenismus nennt. Es ist ein Irrtum, wenn man liest und glaubt, daß diese Frage vom Hellenismus an bis etwa zu den Encyclopädisten innerhalb des Judentums zur Ruhe gekommen wäre. Im Gegenteil, sie war immer lebendig, ,sie war immer im Bild einer