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Nahalat tsevi · 1931-01-01 · Heft 3 (Januar 1931) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 3 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 98 (sequence 28)
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98 sie hat mittlerweile auch E r e z J i s r 0 e 1 in den Bereich ihrer Willkür und ihres Wohlwollens gezogen. In den Tagen Rabbiner Hirschs hat die Neologie die Erez-Jisroel-Idee ignoriert, im schlimmsten Falle negiert. In der Hand der heutigen Neologie hat die Erez-Jisroel-Idee eine förmliche und sachliche Umgestaltung erfahren, und die Umgestaltung hat den Begriff des Judentums, des jüdischen Volkes, der jüdischen Nation als Ganzes auf den Kopf gestellt. Für den wahrhaft prophetischen Geist, der unseren großen Rabbiner זצ״ל beseelte, ist nichts so bezeichnend, wie die erstaunliche Tatsache, daß er in einer Zeit, in der es noch lange keinen Zionismus gab, den Begriff des jüdischen Staates und der jüdischen Nation, des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes gegen Säkularisationstendenzen in Schutz nahm, die damals noch im Schoße der Zeiten schlummerten. Seine tlammenden Jeschurun-Aufsätze über die Botschaft des 10. Tebeth, des 17. Tammus und des 9. Aw, sie haben die Erez-Jisroel- Idee vor dem Schicksal der Verweltlichung bewahren wollen, und sie sind darum erst im Zeitalter Weizmanns und Jabotinskys modern und aktuell geworden. Mit welch eindringlicher Wucht haben diese politischen Aufsätze Rabbiner Hirschs auf die zentrale Stellung des Bes Hamikdosch und der Awaudoh im Leben des jüdischen Volkes hingewiesen, zu einer Zeit, als schon weite Kreise des deutschen Judentums den heiligen Opferhandlungen der Awaudoh sich innerlich entfremdet hatten. Denn sagen wir’s nur offen heraus: Daß ei,1 Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt — um jenes verhängnisvolle Schlagwort zu gebrauchen — ein ״blutiger Opferkultus“ stand, einmal ein ganzes Volk in einen Zustand tiefster religiöser Ergriffenheit versetzen konnte, sodaß sie alle im Augenblick, als dieser Opferkultus seinen Höhepunkt erreichte und der Hohepriester bei seinem Opfertiere stehend das Sündenbekenntnis ablegte, niederknieten, sich hinwarfen und so laut riefen, daß die Luft erzitterte: gesegnet sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches immer und ewig —: Dafür hat nicht bloß die moderne Neologie kein Verständnis, das ging schon in den Tagen Rabbiner Hirschs über das Begriffsvermögen der Neologie hinaus. Hier ist der Punkt, wo sichWeizmann und Jabotinsky mit Geiger und Holdheim berühren. Hier ist aber auch der Punkt, wo auch wir zuweilen eine

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