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Nahalat tsevi · 1931-01-01 · Heft 3 (Januar 1931) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 3 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 99 (sequence 29)
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99 Unsicherheit der seelischen Einstellung verraten, und ich möchte glauben, daß es im Zeitalter der nazianalsozialistischen Angriffe gegen den ״blutigen“ Kultus der Schechitah dem ganzen deutschen Judentum bitter not täte, den Aufsatz Rabbiner Hirschs über den blutigen Opferkultus sich geistig und seelisch anzueignen, um ein für allemal gegen jede Konzessionsbereitschaft in diesen Belangen gefeit zu sein. Wenn man diesen Aufsatz heute liest und sich von seinen stürmenden Worten belehren läßt, wie die erhabensten Momente in Israels Geschichte, von Abraham angefangen bis zum Untergang des Tempels auf Moria, durch den heiligen Akt der Schechita geweiht und geadelt waren, dann ahnt man erst, worum es sich beim Kampfe um die Schechita handelt. Denn wahrlich, wer das Wort ״blutiger Opferkultus“ zum ersten Mal in den Mund genommen hat, der hat mit diesem Worte nicht nur den biblischen Opfergottesdienst auf die Stufe kannibalischer Roheit und Verworfenheit herabgedrückt, der hat mit diesem Worte auch der Schechita selbst in den Augen der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit den ersten Stoß versetzt, der hat schon vor hundert Jahren eine verhängnisvolle Stimmung vorbereitet, aus der heraus in unseren Tagen die meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands die Schechita nicht als ein Kriterium des Judentums, sondern als ein Sonderpostulat der Orthodoxie betrachten. Auch hier hat man an die Stelle des Thora rechtes das Wohlwollen der Willkür gesetzt. Und da hätte Rabbiner Hirsch unserer Zeit nichts mehr zu sagen? Die zionistische Verweltlichung des Judentums, die Rabbiner Hirsch prophetischen Geistes vorausgeahnt hat, sie schreitet heute von Sieg zu Sieg. Denn auch der Einzug des Frauen- Wahlrechtes in die meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands ist ja im tiefsten Grunde nichts anderes als eine Folge der unaufhaltsamen Säkularisation dieser Gemeinden. Die Orgel war das Schiboleth des neologen Konf essionalismus, das Frauen wah 1 recht ist das Schiboleth des neologen Politizismus. Dieser neolöge Politizismus übersieht, daß die jüdische Gemeinde geschichtlich aus ganz anderen Voraussetzungen hervorgegangen ist als irgend eine Kulturgemeinschaft auf Erden, ln einem nach römischem Muster aufgebauten Staate, der nur eine

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