Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 3 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 15)
- Belongs to
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& unserer Zeit zu sagen hat. Je mehr das Bedürfnis und die Notvvendigkeit dieser Frage nur aus dem Geiste jenes stillen Zweifels zu erklären ist, der die Herzen unserer nach Klarheit drängenden Jugend erfüllt, umsomehr glauben wir es der בבוד unseres großen Rabbiners זצ״ל schuldig zu sein, auf diese Frage eine klare Antwort zu geben. Diese Frage ist schon einmal, vor zwanzig Jahren, aufgeworfen und beantwortet worden. Unter dem Titel ״Samson Raphael Hirsch als Erzieher‘‘ hat damals Joseph Wahlgemuth in Berlin einen der besten seiner Aufsätze geschrieben. In begeisterten Worten schilderte Wohlgemuth in diesem Auf- 3atz den gewaltigen Eindruck, den vor allem Hirschs ״Jeschurun“ auf ihn gemacht, als er in seinem 21. Lebensjahre über die Jahrgänge dieser Zeitschrift geriet. Von der Thischribetrachtung ״Des Juden Katechismus ist sein Kalender“ sagte er da: ״Ich kenne kein Produkt der nachbiblischen jüdischen Literatur, das in einer einzigen Betrachtung eine solche Fülle von Gedanken, einen so unerschöpflichen Stimmungsgehalt gegeben wie diese Thischribetrachtung.“ Und von der Kislewbetrachtung ״Hellenismus und Judentum“: ״Unzählige Male habe ich diese Abhandlung gelesen, immer neue Anregungen für pragmatische Geschichtsbetrachtungen aus ihr empfangen.“ Und von Rabbiner Hirschs Schriften in ihrer Gesamtheit: ״Die Schriften aber haben Menschen gebildet in ihrer Zeit und werden, das ist ohne Prophetengabe schon jetzt vorauszusehen, auch künftigen Geschlechtern die Wege weisen.“ Es hat seinen tiefen Grund, daß unter allen Schriften Rabbiner Hirschs der Jeschurun es war, der auf die Zeitgenossen den größten Eindruck machte. Denn hier kam gerade das überwältigend zum Ausdruck, worin die große Kraft unseres großen Rabbiners lag: Der gewaltige Trieb zum Reden und Ueberreden, die flammende Sehnsucht, jüdische Menschenseelen für Thora und Mizwoth im Sturm zu erobern, der unerschütterliche Glaube an die Siegeskraft des Wortes, vor allem aber die tiefe Ueberzeugung, daß wir es bei unserer Thora weder mit einem Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis noch mit ästhetischen oder mystischen Offenbarungen zu tun haben, sondern mit einer göttlichen Botschaft an die Menschen, die darauf wartet und darauf angewiesen ist, mit Hilfe des vom