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Nahalat tsevi · 1930-12-01 · Heft 2 (Dezember 1930) · p. Seite 71

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 71 (sequence 41)
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71 Heile gereichen kann." Audi die übrigen Ausführungen des Kapitels 94 sind sehr zur Lektüre zu empfehlen. Indessen ist es doch einigermaßen fremdartig, gerade in einem Epilog zu den Berliner Gemeindewahlen Rabbiner Hirfch zitiert zu sehen. Er hätte vermullich zu dem ganzen Wahlkampf in allererster Linie zu bemerken gehabt, daß hier das traurige Schulbeispiel in der größten GemeindeDeutfdilands gezeigt werde, wie man die Thora und ihre Vertretung zum Gegenstand einer Abstimmung gemacht hat und wie dann mit der vollständigen Niederlage der ״Konservativen Partei״ die Thora eben eine Niederläge erlitten habe. Er hätte hier eine Illustration zu dem Worte in der תורה gefunden: ואם תלכו עמי בקרי אף אני אלך עמכם בקרי Wenn die Thora und ihre Vertretung zum Zufallsspiel der Parteien geworden ist, so können wir ein Schicksal begreifen, das die deutfchen Juden dem Zufall und der Gunst der politifchen Parteien überantwortet. Ein Stimmungsbild. Es dämmert... die Weihnachtsglocken tönen durch die Christliehe Welt. Es sind das die einzigen Signale des christlichen Kultus, die auch in jüdifche Häuser dringen. Denn in der Nitlnacht ruht das Studium des Gesetzes. Für ein paar Abendstunden vergegenwärtigt sich das jüdifche Volk, wie arm es ohne Thora wäre. Wie bettelarm und hilflos, wenn jene Anfchauung im Rechte wäre, die im Christentum die Überwindung der jüdifchen Ges e t z e s lehre sieht und nicht die fragmentarifche Weltansicht einer tausendjährigen Übergangszeit, die auf Umwegen - langsam aber sicher — an den Fuß des Moriaberges führt. Darum - wenn die Weihnachtsglocken tönen — horcht Israel nachdenklich auf — legt sein Kostbarstes bei Seite und wartet, bis sie ausgeklungen. Gäbe es Gott, daß sie nicht umsonst über die Erde klingen, und mögen sie mit mächtigem Schall das Gewissen der Völker wecken!

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