Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 72 (sequence 42)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551389--0081-2551571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
72 Selig sind, die da hungern und dursten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden. So heifet es in der Bergpredigt. Das Recht und die Liebe — es ist endlich Zeit, dafe aus den toten Worten lebendige Taten werden. Was nützt es, wenn für nichtigen Zweck die nationale Ehre gefchützt, die nationale Wehrkraft vermehrt, der nationale Wohlstand gefördert wird — wenn Millionen ungesättigt nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, wenn das Alphabet jeder Menfchengesittung, das Recht und die Liebe, noch immer gelehrt - vergeblich gelehrt werden mufe. Hat man denn fchon vergessen, da& der feierliche Schall der Weihnachfsglocken dem Geburtstag eines Judenkindes gilt! — In der Niilnacht ruht das Studium der Thora. (Aus Raphael Ausnahmsweise, nach althergebrachtem Brauch. Dieser Brauch ist ein sinniger Brauch. Wenn sich die Enthaltsamkeit vom Lernen nur auf die Stunden einer - dieser Nacht erstreckt. Jedoch dieser Brauch verliert jeden vernünftigen Grund, wenn die Enthaltsamkeit vom Lernen, bereits in der vorhergehenden Nacht geübt, in der folgenden fortgesetzt werden sollte - wenn auch in den übrigen Nächten des Jahres das Studium des Gesetzes ruht. Zu den Perlen, um die uns die Vernachlässigung der Thora bringt, zählt auch die sinnige Mu&e der Nitlnacht.’ Darum klingen die Weihnachtsglocken vorwurfsvoll in so manches jüdifche Haus. O, dafe sie auch uns zur Besinnung brächten! Breuer ״Unter seinem Banner“.) Redaktionsfchlufe der nächsten Nummer 7. Januar 1931. 18. Teweth 5691.