Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1930-12-01 · Heft 2 (Dezember 1930) · p. Seite 65

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 65 (sequence 35)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551387-2551389--0074-2551564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

65 zusammengesetzt aus dem Walten der Natur und dem Tun des Menschen. Das Walten der Natur schien ihm einer Aenderung nicht fähig. Am Tun der Menschen mußte es liegen. Das Tun der Menschen mußte ungut, unrichtig, mußte böse sein. Gab es keine Lehre vom guten Tun? Alfred Roden wurde bleich und bleicher, und schließlich kam der Tag, da es selbst der Vater in all seiner geschäftliehen Unrast merkte. Sollte er am Ende noch nicht ״aufgeklärt‘* sein, war sein erster Gedanke. Er nahm sich vor, mit ihm bei der ersten Gelegenheit zu sprechen. Vielleicht nimmt er die Natürlichkeiten des werdenden Mannes zu tragisch. Vielleicht steckt gar schon eine Liebelei dahinter. An einem Sonntag nahm er ihn mit ins Gebirge. Wie zufällig brachte er die Unterhaltung auf seine eigene Jugend und bemerkte mit Genugtuung, daß Alfred ihm interessiert zuhörte. Er habe es nicht leicht gehabt, denn er sei aus engen, ländlichen Verhältnissen hervorgegangen. Nur ungern hätten seine Eltern ihn in die Großstadt ziehen lassen, denn sie seien noch, namentlich seine Mutter, halbwegs fromm gewesen. Ihm aber habe es gleichsam im Blut gelegen, daß nur in der Großstadt an ein wirkliches Fortkommen, an ein richtiges Leben zu denken sei. Das Glück habe ihn von Anbeginn begünstigt. Die Bank, der er jetzt als Direktor vorstehe, habe ihn damals als Lehrling aufgenommen. Es hätten es beide Teile nicht zu bereuen gehabt. Gewiß sei es nicht leicht, sich durchzusetzen, und namentlich in den Jünglingsjahren habe auch er mancherlei Anfechtungen gehabt, die ihn, ohne Willensanspannung, vom Geschäft hätten ablenken und seine Fähigkeit zum Wettbewerb, auf die alles ankomme, hätten beeinträchtigen können. Freundlich schaute er dabei und ermunternd den Sohn an. Alfred: Du auch? Vater: Da hör’ nur mal einer den JungenI Ja, meinst du denn, ich bin als Mummelgreis zur Welt gekommen? Mir haben die Frauen genug zu schaffen gemacht. Alfred: Ach so! Vater: Was heißt ach so? Das klingt ja gerade, als wärst du darüber schon längst hinaus! Vor mir brauchst du nicht zu heucheln. Ich bin kein Spielverderber. Ich habe Vertrauen zu dir, und du kannst es ׳auch zu mir haben. Sprechen wir wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.