Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 64 (sequence 34)
- Belongs to
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364 Wie er nun diese Stimme immer wieder im Traum vernahm, nahm sie ihn allmählich gänzlich gefangen und steigerte seinen Zustand bis zur Verzweiflung. Wenn die Güte des Strebens nicht ausreichte, um das Tun zu rechtfertigen, so konnte nur eine Offenbarung des richtigen Tuns zu einem sinnvollen Leben verhelfen. Auch verhehlte er sich nicht, daß die Stimme des Traumes ihm eigentlich nur zur Reife brachte, was längst schon in ihm gegärt hatte. War es denn wirklich Güte des Strebens, an der die Geschichte der Menschen, wie er sie überblickte, wesentlich Mangel litt? Konnte man im Grunde sagen, daß ausgesprochene Bösewichter das Schicksal der Menschen bestimmend gestaltet hätten? Waren es nicht vielfach Persönlichkeiten, die das Gute bezweckten, wie sie es nun einmal verstanden? Hatte nicht oft genug der reinste Wille das furchtbarste Unglück heraufbeschworen? Die Geschichte der Menschen war sicher nicht die Geschichte ihrer Bosheit. Und dennoch erschien ihm nun diese ganze Geschichte mit ihren ewigen zwischenstaatlichen Kriegen und ihren ewigen innerstaatlichen Machtkämpfen als eine einzige ungeheuerliche Verirrung, in die die Menschheit geraten war und von der sie sich nur ^befreien könne, wenn sie den ganzen bisherigen Weg bis zu dem Punkt zurückginge, wo sie vom richtigen abgewichen war. Wo aber war der Führer nach rückwärts, und wo der Führer nach vorwärts? Dein Streben ist gut, aber dein Tun ist nicht gut. Alfred Roden ahnte, daß diese Stimme sich gegen alles kehrte, was die modernen Denker über das Wesen des Guten gesonnen und gelehrt hatten. Gut oder böse war ihnen immer nur der Wille, und die Güte oder Bosheit des Willens entschied ihnen endgültig über die Güte oder Bosheit des Tuns. Ueber das Tun an und für sich :vermochten sie nichts zu sagen. Ob es Segen oder Fluch brachte, lag nicht mehr im Bereich des Willens. Sie sagten nicht, daß ein guter Wille nur segenstiftendes Tun vollzieht! könne. Allzu stark sprach die Geschichte der Völker und die tägliche Erfahrung des Menschenlebens dagegen. Ueber dem Tun der Menschen und seinen Folgen waltete ihnen das Naturgesetz, das nicht rGut kennt noch Böse, sondern schicksalhafte Notwendigkeit. Gerade das Menschen schick sal aber war es, das Alfred Roden mit Grauen erfüllte, seine Sinnwidrigkeit, seine Grausamkeit, seine harte Unabwendbarkeit. Das Menschenschicksal schien ihm