Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 60 (sequence 30)
- Belongs to
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60 Der neue Kusari. Wir beginnen hier mit der Veröffentlichung von Teilen eines im Entstehen begriffenen Werkes vonlsaacBreuer. Der Verfasser versucht nach dem Vorbild des Kusari in diesem Werk die Rückkehr eines in völlig fremden Kreisen aufgewachsenen jungen jüdischen Menschen zum überlieferten Judentum zu schildern. Die Fülle der darin behandelten jüdischen Ewigkeitsfragen und Zeitprobleme werden ganz besonders der jüdischen Jugend mannigfache Anregung geben. Die Schriftleitung. 1. A u f b r u di. Alfred war der Sohn des Bankdirektors Max Rosenstock, der noch rechtzeitig vor dem Weltkrieg durch die Qunst eines deutschen Kleinfürsten seinen und seiner Familie Namen in Roden umgewandelt hatte. Alfreds jüdischer Name Abraham war nur einmal, bei Vornahme der Beschneidung, genannt worden, und dann nie wieder. Es war die Beschneidung die erste Berührung Alfreds mit dem Judentum, eine schmerzliche und nachhaltige Berührung zwar, aber auch!die letzte. Ihr folgte nach dem Erziehungsplan des Vaters keine weitere. Den Manen seiner Vorfahren glaubte Max Roden hinreichend Opfer gebracht zu haben, indem er den Körper seines Sohnes mit dem Zeichen des Judentums versehen ließ. Im übrigen trug er Sorge, daß Alfred als deutscher Staatsbürger vollendeten jüdisehen Unglaubens heranwuchs. Alfreds Kindheit kannte weder Sabbath noch Festtage. Nicht einmal den Versöhnungstag lernte er ehren. Der Urtext der Heiligen Schrift schlug nie an sein Ohr. Die christlichen Denktage ließ man ihn durch bessere Kleidung, durch Ausflüge und Theaterbesuch begehen, ohne ihm freilich einen tieferen Anteil zu vermitteln. Im übrigen war Alfred zunächst ein echter Sohn seiner Zeit. Dem Sport brachte er frühzeitig ein großes Interesse entgegen. Die Namen der führenden Boxer, Schwimmer, Fußballhelden, Flieger kannte er genau, lang ehe er von Schiller oder Goethe eine auch nur einigermaßen ausreichende Ahnung hatte. Der Fußball reizte ihn besonders, und er brachte es bis zum Torwächter. Frisch, gesund, kräftig, sachlich, schien er alle Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Daneben hatte er