Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 59 (sequence 29)
- Belongs to
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59 Lektüre greifen konnten. Da übergab mir ein Studiengenosse, von dem ich seit meinem Abgang von Preßburg nichts gehört habe, dem aber noch in dieser Stunde dafür gedankt sei, die 19 Briefe!! Es war eine höhere Fügung- Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Darin fand ich, wonach meine Seele lechzte. Manches, was ich bis jetzt nur traumhaft geahnt hatte, fand ich hier in sonnenhafte Deutlichkeit gerückt. Rätselhaftes, Ungedeutetes fand ich hier mit genialem Blicke gedeutet und in erhabenste Perspektive gestellt. Und hier wurde mir auch der Gegensatz zwischen aristotelischer philosophischer Gotteserkenntnis und urwüchsig jüdischer Lebensanschauung zum klaren Bewußtsein gebracht. Es waren die seligsten Stunden geistigen Erlebnisses.... Und diese Seligkeit sollte noch gesteigert werden. Einer der größten Talmide Chachomim des damaligen Preßburg, der vor zwei Jahren in Hamburg als Dajan verstorbene Rabbi Josef Kohn, empfahl und übergab mir den Chaurew zur Lektüre. Es war zu Beginn des Monats Ellul, als ich den Chaurew erhielt, und bis nach Sukkaus durfte ich ihn behalten. Nie werde ich diese zwei Monate vergessen können! Mir und vielen anderen eröffnete der Chaurew den Weg zur Rettung und zum Heil. Nicht allen meinen Genossen von damals! Es gab unter ihnen recht brave und tüchtige Bachurim, die aber einer tieferen Erfassung des Judentums aus dem Wege gingen. Sie lernten viel und fleißig und fanden darin ihre Befriedigung. Aber es gab auch noch andere ״Denkende“ unter den Genossen, deren Seele eine tiefere Erfassung des Judentums erstrebte. Sie gingen aber achtlos an Rabbiner Hirsch vorbei und landeten.der eine!als gefeierter Prediger des liberalen ״Judentums“ in London, der andere als Rektor des ältesten nichtorthodoxen Rabbinerseminars in Deutschland, der dritte und vierte. aber wozu alle dem Judentum verlorenen Kräfte aufzählen? .... Die mir gestellte Aufgabe war, etwas Programmatisches über die Bedeutung des Meisters in Ungarn und für Ungarn zu schreiben, statt dessen habe ich ein Selbstbekenntnis abgelegt. Es ist Sache des Lesers zu beurteilen, ob dieses Selbstbekenntnis als Lösung meines Pensums betrachtet werden kann.