Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 49 (sequence 19)
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49 Seelenhaltung — all das liegt nach der Ankündigung der Herren im Qet nicht drin, es muß vom Volksbewußtsein erst in den Oet hineingetragen werden. Wie wär’s, wenn die Herren einen Oet mit Orgelbegleitung einführen würden? Als vor Jahren einmal auf liberaler Seite der Qedanke auftauchte, bei einer Trauung die Braut aus ihrer Passivität zu erlösen und!ihr 1nach dem הרי את des Bräutigams den Vers אני לדודי ודודי לי in den Mund zu legen, wurde von orthodoxer Seite der Vorschlag gemacht, daß in konsequenter Weiterführung der liberalen Idee bei einer Ehescheidung die Frau nach Empfangnähme des Get ihrem bisherigen Gatten mit dem Verse ברח דודי den Laufpaß geben möge.... Die Art und Weise, wie der Hauptreferent der Tagung, Dienemann-Offenbach, über Chalizah sprach, das ist nicht bloß innere Haltlosigkeit, das ist Amhaareztum in Reinkultur. Sein Gefühl sträubt sich dagegen, daß die Frau auch nach dem Tode ihres Mannes an die Familie gebunden ist. Diese ״Hörigkeit“ der Frau wird von dem (Dienemannschen Gefühl als unvereinbar mit der modernen Auffassung von der Stellung der Frau abgelehnt. Dienemann übersieht, daß mit demselben Rechte auch von einer ״Hörigkeit“ des Mannes gesprochen werden dürfte. E r!ist es ja, der חולץ ליבמתו ist, e r ist es ja, der die Witwe veranlaßt, ihn zu fentschühen und alles Folgende vorzunehmen und zu sprechen. Und das ״Verletzende“ des ganzen Aktes, das Schnüren einer Sandale auf ״nackten“ Fuß und erst das Ausspeien gar — nur ein böswilliger Amhaarez kann im Zeitalter des Familienbades über den nackten Fuß eines חולץ ליבמתו sich moralisch entrüsten, und nur aus dem Ressentiment einer gegenüber dem דין von vorneherein feindlieh eingestellten Seelenhältung ist es zu!erklären, wenn Dienemann für das sittliche Pathos der Bibelworte וירקה בפניו nur Spott und Hohn übrig hat. Herr Dienemann ist außer sich über die Schwierigkeiten einer Durchführung des Thorawillens, wenn etwa der Mann in Australien wohnt oder sich weigert, den Akt der Chalizah vorzunehmen. Auch mit dieser beweglichen Klage, die sich im Munde dieses Herrn sehr komisch ausnimmt — denn wer die beklagten Schwierigkeiten wirklich als Schwierigkeiten empfindet, wird sich mit einer שאלה nicht an den Gaon von Offenbach wenden — wird Herr Dienemann nur das Lächeln seiner eigenen Gefolgschaft erringen. Er verlangt ״Fortbildung!“