Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 46 (sequence 16)
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46 ganzes Jahrhundert hindurch den breiten jüdischen Massen das Schlagwort von der Reformbedürftigkeit des ganzen Judentums eingehämmert hat, wenn sich in unseren Zeitläuften Tausende und aber Tausende Juden daran gewöhnt haben — als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt —, das Gesetz des Sabbaths, die Speisegesetze u. s. w. nur solange zu erfüllen, als die Erfüllung dieser Gesetze mit keinen Schwierigkeiten verbunden ist, dann braucht man sich weiß Gott nicht zu wundern, wenn dieselben Kreise auch über die Schwierigkeiten des jüdischen Ehegesetzes stolpern und hier wie dort jedes von der Thora geforderte Opfer als ״Menschenopfer unerhört“ beklagen. Daß nur immer Schwäche, religiöse Haltlosigkeit und Unwissenheit das Stolpern der Neologen über die Schwierigkeiten des jüdischen Ehegesetzes verursacht, das möchten wir in der folgenden Kritik der kompetenten Aeußerungen des liberaten Judentums über eherechtliche Fragen darlegen. Diese Herren zeigen uns, wie diese Fragen nicht zu lösen sind. Wir aber haben zur jüdischen Frau das Vertrauen, daß sie, vom Schöpfer mit größerer ״Zwischensicht“ ausgestattet als der Mann, die peinliche Rigorosität, mit der das Thoragesetz die sakralen Schranken der Sexualität bewacht, immerdar als das durchschauen wird, was sie ist: als ernste Sorge um die Erhaltung der jüdischen Ehe in ihrer Eigenart, in ihrer grundsätzlichen Verschiedenheit von allem, was außerhalb des Judentums als Ehe gilt und als solche staatliche und gesellschaftliehe Anerkennung findet, und als Aufruf an Mann und Weib, ein Band, das nur כדת משה וישראל geknüpft und gelöst werden kann, durch keine Modeanschauungen und Tugendmeinungen entweihen und schließlich zu einem frivolen Kamerad■ schaftsspiel der Geschlechter zerfasern zu lassen. * ¥ ★ Unter dem Titel ״Fragen des jüdischen Ehegesetzes“ ist vor kurzem der stenographische Bericht der Verhandlurigen der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 22. Mai 1929 erschienen. Die Lektüre dieses Berichtes ist sehr belehrend. Wer sich die Mühe nahm, diesen Bericht aufmerksam zu lesen, ist ein für alle mal von dem Wahne geheilt, daß die Zeit des Kampfes zwischen Orthodoxie und Liberalismus endgültig vorüber sei, daß die Orthodoxie den Liberalis-