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Nahalat tsevi · 1930-12-01 · Heft 2 (Dezember 1930) · p. Seite 43

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 43 (sequence 13)
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43 alte jüdische Ideal, Kultur aus der Religion, sich zu eigen gemacht und die Selbstverständlichkeit des Primats der Religion auf den Schild zu ׳erheben gelehrt hat. Es hat sich gezeigt, daß das Wissen um die Religionsquellen sich bedeutend verbreitet hat, daß die Erwerbung dieses Wissens durch die Bemühungen der Aguda als unerläßliche Pflicht erachtet wird. Es ist andererseits der Souveränität der Thora auch auf dem Gebiete des Weges der jüdischen Individuen durch die Welt eine breite Gasse eröffnet worden. Daß dem so werden konnte, ist einer Idee zu verdanken. Die Aguda gab den Traditionstreuen das Vertrauen zu sich selbst wieder. Sie befreite die Orthodoxie aus den Banden der Verknechtung und des trostlosesten Defaitismus. Denn dieser war eingetreten. Man hielt den Abfall für eine unvermeidliche Notwendigkeit und war glücklich, wenn es gelungen war, die Orthodoxie in den umfriedeten Hafen einer beschaulichen Enge zu bringen. Die Aguda zerrte die Orthodoxie aus diesen Fesseln und führte sie in den Kampf um Führung der jüdischen Belange. Sie hat dabei manches Terrain erobert. Es war selbstverständlich, daß derjenige Komplex, der vor allen anderen ein universelles jüdisches Interessengebiet bedeutet, also die palästinensische Frage, die Aguda auf den Plan rief. In diesen Komplex die Souveränität der Thora einzuführen, mußte ihr Bestreben sein und war es auch. Soweit es sich um das Verständnis hierfür bei andersdenkenden jüdisehen Kreisen handelte, ist das Ziel nicht erreicht. Doch hat die Orthodoxie der ganzen Welt sich an den auf ihre Selbständigkeit in Palästina gerichteten Bestrebungen interessiert und im großen und ganzen werktätig beteiligt. Nachdem einmal die jüdische Frage sowohl durch Palästina, als auch durch den Minoritätenschutzgedanken in das Getriebe weltpolitischer Erwägungen und Handlungen eingeführt wurde, hat die Aguda es verstanden, in unzweideutiger Weise eine Idee (Thora) als das konstitutive Moment der jüdischen Gesamtheit darzulegen und dadurch bei dem ״character indelebilis“ einer Idee auch die Ewigkeitsansprüche des jüdischen Volkes in die Reihe der Forderungen vor der ganzen Welt eingefügt. Dies alles sind gewaltig große Gesichtspunkte und so ist Aguda unter allen von Juden ausgehenden, von Juden getragenden Erscheinungen die Maximaüstin sowohl in bezug auf Forderungen, wie auch in bezug auf Hoffnungen.

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