Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 42 (sequence 12)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551387-2551389--0051-2551541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Kapitel ״Sollen“ erwähnt, wäre dies das ureigenste Feld der Aguda. Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen, soll ausdrücklich gesagt werden, daß!damit durchaus noch nicht eine bestimmte Stellungnahme zu der Gemeindekonstitution ausgesprochen wäre. Die Aguda, — vielleicht ist es ein Fehler, vielleicht ein Vorzug — hat noch kein klar umrissenes Programm für die Innenpolitik erzeugt, es sei denn der allgemeine Grundsatz: die Gemeinden zurückerobem!für die Thora. Doch der Weg ist noch nicht gezeichnet. Daher kommt es, daß diejenigen Länder, die auch für den Weg ein fest umrissenes Programm haben und die in diesem Weg das Charakteristikum der Orthodoxie erblicken, vorher noch nicht führend in der Aguda geworden sind und in einer wahrscheinlich allzu großen Aengstlichkeit ihres Besitzstandes sich noch nicht ganz und nur sehr zögernd mit dem Agudagedanken befreunden. Nur so ist überhaupt die sogenannte Opposition ״von rechts“, die anfänglich sehr stark war, doch im Laufe des Seins der Aguda sich stetig vermindert, richtig zu verstehen. Es gab und gibt auch auf dem Gebiete der prinzipiellen Einstellung zur Kultur ganz bedeutend differenzierte Nuancen. Hierbei mag in Parenthese festgestellt werden, daß Kulturfeindlichkeit im jüdischen Lager überhaupt nicht vorhanden ist, sondern nur eine Kulturängstlichkeit, welche bei der Erziehung der heranwachsenden Generation eine Einbüße an der Ausdehnung des Wissens um die Religion und an der Innigkeit des Willens zur Religion befürchtet. Nun ist in manchen Kreisen die Furcht noch nicht getilgt — und sie ist psychologisch durchaus nicht unbegründet — daß da eine Nivellierung Platz greifen könnte, welche die Totalität des jüdischen Wesens stört. Doch ist festzustellen, daß die Aguda als solche in ihrem bisherigen Sein keinen Anlaß gab, durch Tatsachen die oben charakterisierte Aengstlichkeit berechtigt erscheinen zu lassen. Die Erziehungstätigkeit der Aguda erstreckt sich auf drei Gebiete: Schulen in Palästina, Subventionierung der Jeschiwoth und Talmud-Thora-Anstalten, Er- Stellung von Erziehungsanstalten für Mädchen. In all diesen drei Beziehungen weiß sie sich bei jedem ihrer Schritte eiins mit den rabbinischen Autoritäten und Führern des Gebietes ihrer Tätigkeit, denen das oberste Votum in bezug auf das innere Wesen dieser Erziehungsanstalten unbestritten zusteht. Man kann ohne Ueberheblichkeit sagen, daß die Aguda das