Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 41 (sequence 11)
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41 Kräfte, Vorzüge und Mängel hat Platz gegriffen. Man hat sich ׳im großen und ganzen von Vorurteilen befreit; das unheilvolle, vormärzliche, schwachgeistige Generalisieren hat aufgehört. Man sagt nicht mehr und denkt auch nicht mehr, der polnische Jude ist so und so, der deutsche Jude ist so und so. Die Religionsfremden hatten es leichter; bei ihnen gab es -kaum eine Differenz, die durch die Provenienz bedingt und geschaffen gewesen wäre; sie traten sich nur als Individuen ohne ,irgend welche Bindungen gegenüber. Anders, ganz anders bei den Orthodoxen; schon ein Minhag kann da trennend wirken. Die erste Vorbedingung für ein gemeinsames Streben, die gegenseitige Achtung, hat Agudas Jisroel zur Erfüllung gebracht. Aus dieser Vorstufe mußte ein fester Wille zur gemeinsamen Arbeit entstehen; auch das ist eingetreten. Wenn die Aguda, oder sagen wir richtiger, der Agudagedanke fünfzig Jahre früher auf den Plan getreten wäre, so wäre diese Zusammenarbeit leichter gewesen. Damals waren mit geringen Nuancen die Frontstellungen klar: Für oder gegen Tradition. Der positive Inhalt der antiorthodoxen Phalanx war geringer, heute, da sich der bestechende nationale Einschlag zu dieser Phalanx gefunden hat, ist die Einheit der orthodoxen Reihe erschüttert und gelichtet. Es wäre vielleicht sogar möglich1 gewesen, daß eine Verkörperung des Agudagedankens vor dreißig Jahren den zionistischen Grundgedanken mit religiösen Impulsen und Direktiven erfüllt hätte. So aber jist das Ziel der Aguda, alle Traditionstreuen zu einer geschlossenen Arbeitsgemenischaft zu vereinen, nicht erreicht und nach dem augenblicklichen Stand der Dinge und Meinungen unerreichbar. Aber selbst in dem beschränkten Rahmen der traditionstreuen Juden ist der Centralisierungsgedanke nicht zum Durch1brach gekommen. Gerade weil das Selbständigkeitsstreben innerhalb der Orthodoxie durch den von der Aguda gegebenen Impuls so mächtig geworden ist, wurden fast alle Kräfte durch die Arbeit im eigenen Lande absorbiert, besonders dort, wo die Aguda, sei es an den politischen Wahlen, sei es an den Gemeindewahlen, als Aguda Anteil nahm und nimmt. Wo sie dies nicht tut, selbst nicht in offizieller Anteilnahme an der Leitung der Kultusgemeinde, droht sie zu verkommen im ־Mangel an Aktivitäten. Denn füglich, wie bereits bei dem