Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Belongs to
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die Hinneigung zu der scheinbar liebevolleren Auffassung von der!Einheit des Judentums. Der Hauptnachteil der von der Jugend beanspruchten Neutralität, die ja an!sich ihrem innersten Wesen völlig widerspricht, liegt indessen auf pädagogischem Gebiet. Man kann die Jugend nicht auf die Dauer und systematisch von den großen grundlegenden Fragen, die die jüdische Oeffentlichkeit, so mächtig bewegen, fernhalten, ohne daß sie einen Schaden daraus erlitte. Entweder werden Charaktere großgezogen, die unentschlossen sind, sich zu keinem der bestehenden Standpunkte aufzuraffen vermögen und der inneren Festigkeit ermangeln, oder die Stärkeren, die sich in ihrer geistigen Freiheit nicht dauernd binden lassen, sprengen die Reihen und suchen mit aller Kraft, sich für ihre Idee einzusetzen. Beide Kon- Sequenzen haben sich in den gesetzestreuen Jugendverbänden verwirklicht, und sie haben mit zu der gegenwärtig akuten Krisis innerhalb der Agudas-Jisroel-Jugendorganisation und des Esra beigetragen. Audi ״politische“ Farblosigkeit bedeutet Schwäche, und die Erziehung zu politischer Neutralität ist eine Erziehung zur Schwäche. An diesem inneren Mangel müßte das Neutralitätsprinzip, als Erziehungsprogramm scheitern, und es kann heute gesagt werden, daß es bereits gescheitert jist. In ihrer gegenwärtigen Ratlosigkeit kann der Jugendorganisation der jAgudas-Jisroel nur geholfen werden, indem sie aufs neue beginnt, die Jugend von frühestem Alter an innerhalb der Organisation zu!erfassen und sie zu bewußten, jgesinnungstüchtigen und charakterfesten Gliedern ihrer Gemeinschaft zu erziehen. Weit problematischer ist aber die Frage nach der künftigen Gestaltung der jüdischen Erziehüngsform. Der Wandel, der sich von der gewohnten, rationalistischen Erfassung des Judentums zu seinem inneren Erleben nach chassidischem Beispiel vollzieht, ist für den, der auf den Pulsschlag der Zeit!zu lauschen versteht, deutlich erkennbar. Dieser Wandel erfordert eine Umstellung, welche mit den Erkenntnissen und Formen des modernen Kulturlebens zu harmonisieren und durch'Klarstellung der prinzipiellen Grundfragen des jüdischen Volks- und Gemeindewesens die Jugend zu festigen hätte. Noch1 harren wir des großen Führers, der, wie einst Rabb. Hirsch' für Seine Zeit, uns den inneren Stil für die neue Zeit schaffen wird.