Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Belongs to
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31 sich dieser Kreis bedient. In der Sehnsucht nach der Innigkeit und Wärme des jüdischen Empfindens wird man begreiflicherweise manches annehmen, wodurch im Osten das Hislahawus der Cassidim geweckt wird, und so bildet sich langsam, aber merklich eine Art von Neo-Chassidismus, die allem Anschein nach immer weitere Kreise der orthodoxen Jugend beeinflußt. Dieser jungen Bewegung sollte eine ernste Beachtung geschenkt werden. Denn sie entspricht in wesentlichen Zügen der ,modernen Erlebnis- und Wertphilosophie und ist, gleich ihr, als eine Reaktion auf die einseitig-rationalistische Kultur entstanden, die durch Vermittlung der Schulbildung auch die Denkungsart des Juden in Deutschland bestimmt und ein Unbefriedigtsein der Gefühlswerte hinterlassen hat. Hier zeigen sich die ersten Ansätze für die Schaffung einer neuen Kulturform, die im Judentum wie im allgemeinen Zeitgeist an die Stelle der Vernunft-Vorherrschaft ein inneres Erfülltsein treten lassen will. Unbeschadet ihrer Wesensverschiedenheit, besitzen die drei gezeichneten Richtungen — sowie ihre zahlreich vorhandenen Synthesen und Kompromißbildungen —ein Gemeinsames: die vollkommene Desinteressiertheit in jüdisch-politischen Dingen. Geleitet von dem klaren Bewußtsein, daß die Jugend keine andere Aufgabe zu kennen hat, als nur sich1 selbst zu erziehen und sich von jeder Politik fernzuhalten, hält sie sich in rnögliehern Abstand von den großen jüdischen Organisationen, in denen sie vornehmlich1 politische Werkzeuge erblickt. Da aber die großen Organisationen im Grunde dennoch durch weitanschauliche Fragen von einander geschieden sind (wie die Frage niach dem Wesen des jüdischen Volkstums, nach der Organisationsform der Thora u. s. w.), so hat das ängstliche Meiden der Organisationen zugleich eine bedauerliche Unklarheit und Unsicherheit des prinzipiellen Standpunktes zur natürliehen Folge. Hinzu kommt, daß die gefühlsbetonte Neuorientierung, die zum Chassidismus neigt, der rein grundsätzlichen Klärung weltanschaulicher Probleme gewisse psychologische Hemmungen entgegenstellt. Und in der Wahl zwischen der logisch begründeten und der gefühlsmäßig gegebenen Losung wird der letzteren der Vorzug eingeräumt werden, — selbst trotz besserer Erkenntnis. Daraus erklärt sich die Unpopularität der Austritts-Ideologie in weiten Kreisen der Jugend und