Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Belongs to
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29 Reihen der ernsteren und reiferen Jugend eine entschiedene, wenn auch zunächst noch langsam fortschreitende Abkehr vom Thora im Derech Erez-Prinzip sich vorbereitet. Heute schon wird fast .überall das Festhalten an diesem Prinzip als ein notwendiges Uebel empfunden und nicht mehr im Sinne Hirschs als eine willkommene Gelegenheit begrüßt, das Wissen um G’tt zu vertiefen. Welcher Umstand hat diesen Wandel der Anschauung herbeigeführt? Die großartige Konzeption von Hirsch wurde von der Nachwelt entweder mißverstanden oder leichtsinnig umgedeutet. War ursprünglich nichts anderes gemeint, als daß die positiven Werte in Kunst und Wissenschaft für die Erkenntnis der höchsten Wahrheit dienstbar gemacht werden sollen, so hat man späterhin unter dem Motto Thora im Derech Erez kritiklos und unbesehen eine Fülle von außerjüdischem Bildungsgut in die jüdische Erziehung miteinbezogen und hat dadurch die Echtheit der jüdischen Kultur ernstlieh gefährdet. Fremdartige Elemente wurden zu Bestandteilen der eigenen Kultur gemacht und die jüdische Gedanken- und Empfindungswelt mit einer Fülle von unjüdischen Begriffen und Werten durchsetzt. Das Resultat war die Verfälschung der jüdischen Eigenart im Denken, Fühlen und Wollen. Das Geschlecht der Epigonen war nicht reif genug, um das vom Meister erdachte Prinzip in der Beschränkung und in der deutliehen Grenze, die er ihm gezogen hätte, in sich aufzunehmen. Nicht das Prinzip war es, das sich nicht bewährt hat, sondern die Menschen, die es nicht begriffen. So bildete sich ein Typus des deutschen Juden heraus, der zur einen Hälfte Europäer, zur anderen Jude ist. Daß diese Zwiespältigkeit und widerspruchsvolle Halbheit der eigenen Wesensart am stärksten und störendsten von der Jugend empfunden wird, ist bei ihrem bewußten Streben nach unbedingter Ehrlichkeit nicht mehr als natürlich. Sie sieht sich im Konflikt mit der herrschenden beruflichen und gesellschaftlichen Moral und empfindet überdies1 die Unzulänglichkeit der eigenen Kulturform. Welchen Ausweg wählt sie nun, um zu einer besseren Daseinsfbrm zu gelangen? An dieser Stelle scheiden sich die Wege in dreifacher Richtung. Die einen sehen, ״als die einzige Möglichkeit, zu einem geschlossenen und in sich widerspruchslosen Leben zu gelangen“ — nur den Aufbau Palästinas, weil nach ihrer Meinung ״eine Verjüdischung des Einzellebens nur innerhalb