Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Belongs to
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28 Unfere Jugend. Von Rabbiner Dr. E. Munk in Ansbach. Eine Darlegung der Stimmungen, Strömungen und Wünsehe, welche die orthodoxe Jugend Deutschlands gegenwärtig erfüllen, dürfte in zweifacher Hinsicht überaus lehrreich sein. Sie läßt zunächst erkennen, bis zu welchem Maß die Jugend der älteren Generation Gefolgschaft leistet und inwieweit sie sich von deren .Werk und deren Lebensanschauung bestimmen läßt Und. sie zeigt ferner, an Hand der neuen Ideen und Riehtungen, die großen Umrisse auf, die, im ewigen Wandel der Zeiten, das Gesicht der kommenden Generation charakterisieren und es von der jetzigen unterscheiden lassen werden. Das Stimmungsbild der jugendlichen Welt — in dem selbstverstündlich nur!die feststehenden, immer und überall wiederkehrenden Forderungen und Bestrebungen aufgenommen sind — wird solchermaßen als das Urteil zu werten sein, das über die Lebensfähigkeit der landläulig gewordenen jüdischen Kulturform der Gegenwart gesprochen ist. Die Grunderscheinung, aus der heraus die Haltung der Jugend zu begreifen ist, ist die tiefe Unzufriedenheit. Sie beginnt bei der Formung des eigenen Ichs und umfaßt die gesamte Lebensform der Modernen. Ueberall empfindet sie eine Zwiespältigkeit und Unaufrichtigkeit, die mit ihrem natürlichen Streben nach dem Besitz der absoluten Wahrheit vollständig unvereinbar ist. Es gehört zu den festesten Ueberzeugungen, die sich im Kreise der Jugend gebildet haben, daß zwischen modernem Erwerbsleben und wahrhaft jüdischer Lebensführung eine unüberbrückbare Kluft besteht. Die Schwierigkeiten, die sich in der beruflichen Tätigkeit dem entgegenstellt, der kein unaufrichtiges .Wort sprechen will, hat manch einen Jugendführer dazu veranlaßt, — freilich ganz zu Unrecht — jdie Flucht laus dem Kaufmannsstand öffentlich zu propagieren. Noch viel unerträglicher wird die Verlogenheit des gesellschüftlichen Lebens empfunden, das den jungen Menschen zu Heuchelei und Oberflächlichkeit erzieht. Wie kann in solcher Umgebung ein thoragemäßes Leben gedeihen? Umsomehr, als die!Erziehung, die der jüdischen Jugend nach dem Leitsatz Thora im Derech Erez zuteil wird, keineswegs geeignet ist, in sich widerspruchslose und harmonisch abgeschlossene Persönlichkeiten heranzubilden. Es ist unverkennbar, daß in den