Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Belongs to
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säume nicht, die vergilbten oder geschenkfähig unangetasteten Blätter heute zur Hand zu nehmen. Von ״Urenkeln“ spricht dort Rabbiner Hirsch, die die Klärung erleben werden. Die Klärung ist eingetreten. — Wir sind die Urenkel. Anders freilich sehen wir aus, als Rabbiner (Hirsch gehofft hat. Auch wir Orthodoxen. In erschlitternden (Worten fragt sich Rabbiner Hirsch1, ob er die Emanzipation ״segnen“ dürfte. Er möchte sie segenen, wenn sie dem [deutschen Juden die Mittel böte, in lautester deutscher Oeffentlichkeit den Namen des Gottes Israels zu heiligen und zur Anerkennung zu bringen. Würde er, könnte er sie segnen, wenn er heute auferstünde und sein Auge uns prüfte? Gewiß: wir haben der Emanzipation bei weitem nicht!so viel geopfert wie das Reformjudentum. Gewiß: das Judentum ist uns nicht nur ן— Schicksal und auch mit den Leiden der Gegenwart nicht zu teuer erkauft. Aber standen wir wirklich auf }der Höhe der ungeheueren Aufgabe, die, nach: Rabbiner Hirsch, die Emanzipation für uns deutsche Juden bedeutete und bedeutet? Haben wir sie gegenüber dem Judentum, haben wir sie gegenüber dem — deutschen Volk erfüllt, so erfüllt, :wie Rabbiner Hirsch es forderte und von uns, dan Urenkeln, erwartete? Hat nicht die Emanzipation auch uns angekränkelt, daß uns allmählich das lebendige Bewußtsein dafür schwand, daß Judesein historische Berufung ist ans jüdische Volk, ans deutsche Volk, die kein ״Beruf“ überschatten, der Alltag nicht verschütten (darf? Kann die jüdische Orthodoxie für sich in Anspruch nehmen, daß Hitler für sie kein Anlaß ist zur Selbstbesinnung, zur Selbstläuterung, zur Rückkehr und zur Aufkehr? Was in Deutschland vorgeht? Zweierlei. Das Böse ist stark geworden in Deutschland, weil die Guten schwach wurden. Es gibt viel fanatischen Haß in Deutschland und wenig fanatische Liebe. Das deutsche Volk, das dem jüdischen Volk so manches zu geben hatte: grauenvoll ist es, zu sehen, auf welchem Tiefstand einzelne seiner Teile angelangt sind. In der Erinnerung an Kant und Goethe krampft sich auch das jüdische Herz zusammen.— Aber dann: Gott ruft die deutschen Juden. Gott ruft sie zurück zu bewußter Fortsetzung jüdischer Galutgeschichte. Mögen die liberalen Juden, mögen vor allem die orthodoxen Juden Gottes Ruf verstehen. Im Dienste Gottes steht Hitler. Gott bildet Licht und erschafft Finsternis, wirkt Frieden und erschafft das — Böse.“