Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Belongs to
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24 entfremde? Nicht Gefühle, und wären fie noch fo echt und tief empfunden, retten vor Täufchung und vermöchten den Gotteswillen ahnend zu erfinden. Ihn kann nur Gott allein dir reichen. Dann aber muht du den Weg gehen, den dein Volk dir weift, muht den Gotteswillen dort fuchen, wo er allein zu finden ift: in Gottes dir geoffenbarter Thauro. — Die Lage des deutfchen Judentums Von Dr. Isaac Breuer. I. Hitler. .Wie ein greller Blitz ist über die deutschen Juden das Ergebnis der Reichstagswahlen des Jahres 1930 niedergefahren und hat ihnen Möglichkeiten aufgedeckt, an die sie noch vor kurzem nie geglaubt hätten. Man hat diese Wahlen mit einem Erdrutsch *verglichen. Das mag für die politischen Parteien zutreffen. Für Deutschlands Juden aber ist es mit dem;einmaligen Erdrutsch nicht getan. Deutschlands Juden fühlen seitdem den Boden unter ihren Füßen wanken, wie bei einem fortdauernden, leise und dennoch immer spürbaren Erdbeben. Deutschlands Juden denken, zum ersten Male seit einem Jahrhundert, an den —ד Wanderstab der Urahnen, den sie längst im Museum für jüdische Altertümer hinterlegt hatten. Man kann die Beziehungen der deutschen Juden zum deutsehen Volk mit den Beziehungen keines anderen jüdischen Volksteils zu seinem Wirtsvolk vergleichen. In keinem anderen europäischen Land wohnen die Juden so lange wie in Deutsch1' land. Es gibt deutsche Juden, deren Vorfahren zu einer Zeit bereits auf deutscher Erde saßen, da die heidnischen Preußen noch wilde Feinde des Deutschtums waren. Die deutschen Juden haben die deutsche Sprache zur Sprache des talmudischen Lernens erhoben und ihr, in mittelalterlicher Prägung, bis tief in den Osten Europas hinein fast eine religiöse Weihe verliehen. Die Juden sind es, die die deutsche Sprache recht eigentlich zu einer Weltsprache gestalteten. Wer von Deutschland nach Palästina reist, kann sich überall deutsch verständigen: überall trifft er Juden, die Deutsch verstehen. Selbst der arabische Autolenker Jerusalems kennt bereits deutsche Brocken. Jüdischer Geist und deutscher Geist sind in Auseinandersetzungen von einer Intimität getreten, die ihres-