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Nahalat tsevi · 1930-11-01 · Heft 1 (November 1930) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 1 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 22 (sequence 24)
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22 Erfcheinungen offenbaren, wer die überwältigenden Wunder der Natur mit heiligen Schauern erlebt und mit König David (Pf. 19) tief aufhorchend die allmächtige Sprache der fchöpferifchen und zielfetzenden Gottheit vernommen hat, wird auch lieh als Glied diefer Gottesfchöpfung begreifen und die Deutung feines gottgewollten Lebens von der liebenden Vaterftimme Gottes erfehnen. * * ★ Gott wäre nicht Gott, und nimmer eignete ihm Gerechtigkeit und Liebe, fpricht jüdifche Erkenntnis, wenn jedes Gefchöpf das den Gotteswillen offenbarende Gefetz feines Lebens in lieh trüge und nur der Menfch hinausgeftoben wäre in Nacht und Zweifel und jeden Augenblick Gefahr laufen mübte, fein Leben hoffnungslos zu verlieren! Von laufendmal taufend Fragen gepeinigt, fchreil die in troftlofe Nacht verlinkende Seele zu Gott empor, dab Er lieh ihrer erbarme und das Leben ihr deute - und mit jedem Wort, das aus göttlichem Lebensbuch tönt, fenkt Gott ״Lebenskeime" (הרה :הורה und ירה zugleich) in fie, dab aus ihnen Leben erblühe. Weil diefes ״Lebensbuch" Leben deuten, Antwort geben will der fragenden Seele, ift es ״allumfaffend", keine Erfcheinung des Lebens, die von ihm nicht göttliche Prägung erhielte - wäre es fonft ״Thauro", ״Wiffenfchaft vom Leben"? ״Gottes Thauro allumfaffend, fie will Antwort geben der fragenden Seele" (Pf. 19). - Von diefem Jubelhymnus hat die von Genub und Befitzerraffung befriedigte und damit freilich verfchüttete jüdifche Seele keine Ahnung, und vernimmt fie ihn, dann fchleichl (ich ihr vielleicht gar frivol und erbärmlich jenes unheimlich läfternde Wort auf die Lippen: ״Sind doch nur Satzungen für Satzungen, Richtfchnur für Richtfchnur, Kleinigkeit hier, Kleinigkeit dort, dab man durch fie im Leben ftrauchle, gebrochen, verftrickt und gefangen werde — ״ (Jef. 28). * * ★ Jüdifches Bewubtfein kann Gott nicht denken, ohne alsbald feinen Willen zu erfehnen. Denn was wäre Gott, wenn Ihn nicht fein uns offenbarter Wille bezeugte: das Gottesbuch ift Gottes ״Zeugnis" (עדות), denn aus feinem Willen allein fpricht Gott zu uns, aus feinem Leben geftaltenden Willen, mit dem Gott dem Menfchenleben Sinn und Berechtigung verleiht, ftrömt uns die beglückende Berechtigung, von Gottesweihe, von Gottesführung fprechen zu dürfen, die fich unferer Ratlofigkeit annimmt, uns zu führen bereit ift, wo wir rettungslos uns verirren mübten, und unfere Seele den Einflüffen entziehen will, denen fie sonft haltlos preis-

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