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Nahalat tsevi · 1930-11-01 · Heft 1 (November 1930) · p. Seite 21

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 1 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
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21 Welchen Weg nimmt eine gefunde jüdifche Lebensentwicklung? Wer fo glücklich ift, Eltern zu befitzen, die fich ihrer jüdifchen Lebensaufgabe bewußt find, lieht fich von frühefter Kindheit ״mit beiden Füßen“ in das jüdifche Leben hineingeftellt: er erlebt zumeift Judentum, er wird nicht lange gefragt, mit gebieterischem Ernft heifdien göttliche Forderungen feinen Gehorfam. Mit erwachendem Bewußtfein wird das ״warum“, das ״wozu" auf kindliehen Lippen fich regen. Eltern werden folche Fragen freudig begrüßen, werden in ihnen Zeichen nachdenklicher Befinnlichkeit erblichen, und wo fie (ich nicht von felber einftellen, werden fie ihr Beftes daranfetzen, fie bei jeder Gelegenheit zu wecken. Denn fo felbftverftändlich es ift, daß das gefunde Kind allen Erscheinungen feiner Umwelt Staunend und fragend gegenüberfteht, fo muß auch das jüdifche Leben feine geiftigen und feelifchen Kräfte aufs tieffte bewegen. * * * Nicht Gewöhnung, nicht pietätvolle Erinnerung foll die heranwachfende Jugend an ihre jüdifche Lebensbeftimmung binden. Es ftünde traurig um unfere Zukunft, wenn jedes junge Gefchlecht, ftatt mit freudigem Stolz die Sturmerprobte Fahne der jüdifchen Lebenswahrheit aufzugreifen, um in ihrem Zeichen die Palme des Lebensfieges fich zu erringen, mit geknicktem Willen und erlofchenem Seelenfeuer, nur umweht vom Vergißmeinnichtduft verklungener Kindheitstage, den überkommenen jüdifchen Lebenspflichten fchwächlichen Gehorfam zollte. ¥ * ★ Man wundere lieh nicht, daß fo viele in den entscheidenden Jahren ihres Lebens der Thauro den Rücken kehren. Diefes Gottesbuch rechnet mit einer feelifcher Einstellung, die Sorgfältig gepflegt werden will, da fie die unerläßliche Vorbedingung darftelli, unter der Thauro freudige und fehnfuchtsvolle Aufnahme findet. Man reiche dem Satten die köftlichfte Nahrung, er wird unangeregt an ihr vorübergehen. Nur der Dürftige wird nach dem Waffer fich Sehnen und es qualvoll miffen. Mit diefem Hunger, mit diefem Dürft rechnet unfer göttliches Lebensbuch. Ihn gilt’s zu wecken. Hier liegt das Geheimnis aller erfolgreichen Einwirkung auf die jugendliche jüdifche Seele. Ift erft das gelungen, dann mag man ruhig der Kraft des Gotteswortes vertrauen, daß es feine jugendliehen Träger fürs Leben fich vermähle. * * Weffen Seele lieh den geheimnisvollen Rätfeln erfchloffen hat, die Natur und Gefchichte und das eigene Leben in allen feinen

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