Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-09-01 · Heft 9 (September 1922) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 9 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2550626-2550658-2550665--626-2551365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

femt Mn btt CcoMÜoh tttt, daß es von formen, Sprache atifr Gesetzen abhängig ist. Unsere Religion wird erst durch «ine Neugestaltung (nicht Erneuerung) der formen wieder zu neuem Leben erwache«. Der Gottesgedanke muß neu errungen werde«. Wille zur Klarheit und inneren Wahrhaftigkeit ist hier die Lebensfrage, wir brauchen Persönlichkeiten, die dem Gottesdienst immer von neuem «ine lebendige Gestaltung zu geben vermögen, wir brauchen Lehrer, denen Religion Erlebnis und nicht nur eine Summe von Gefchichtstatsachen, Lehren und kebensregeln ist. wir wollen kein Gebetbuch, das sich von Generation zu Generation vererbt hat und Programm ohne Inhalt geworden ist. wer das nicht erkennt, gründe Kultus-, Gebetbuch-, «ufttalifche und sonstige Kommissionen, spreche von Synagogennot und locke die Stifter mit gellen Versprechungen einer Ehrentafel für das — oder besser für den Verdienst (non ölet), spreche aber nicht im gleichen Zusammenhang« von einer Schuld an der Jugend. Nein — die viel größere Not, das viel größere Gebot der Zeit ist: N/,gestaltrmg und Belebung des Dienstes an Gott im Sinne einer auf innerer Wahrhaftigkeit beruhenden, in sich geschlossenen, naturhaften und geistig und sittlich sich ständig veredelnden Lebensauffassung. Vas ist die Forderung und Aufgabe der Jugend. Dann wird sie in die Gotteshäuser gehen, die „Ehrentafeln" entfernen, aber ei« Stück Gottesdienst, ein Stück Leben hineintragen und neue Kraft für das Leben wieder mit hinausnehmen! Vir Rabbiner. (Eine Erwiderung auf: wir Laien), von Rabbiner Dr. Lrnst Appel-Bingen. In der Iultnummer der Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendveretne führt Lo Noda Klage über die liberalen Führer des Judentums. Seine Ausführungen gehen zum Teil von falschen Gesichtspunkten aus und lassen die Entwicklung der liberalen Bewegung vollkommen unberücksichtigt. Der jüdisch-religiöse Liberalismus hat im vorigen Jahrhundert vielverheißend eingesetzt, ist dann aber infolge der immer zunehmenden Gleichgültigkeit der jüdischen Massen zum Stillstand gekommen und konnte auch durch die Aufstellung der „Richtlinien" kurz vor dem Weltkriege nicht in Fluß gebracht werden. Ls ist nun ganz begreiflich, daß man nach den Ursachen dieses Zustandes forschte und entweder die Bewegung selbst oder die in Bewegung zu bringenden Laien für den offensichtlichen Mißerfolg verantwortlich machte. Lo Noda sucht seinerseits den Grund für die Versandung der religiösliberalen Idee in dem Wirken derer, die nach seiner Ansicht die Träger der Bewegung sein sollten, der Rabbiner. Er hat recht, wenn er gegen diejenigen unter den liberalen Rabbinern Stellung nimmt, die Anschauungen in den religiösen Liberalismus hineintragen wollen, die nichts weniger als liberal genannt werden können. Besonderes Grauen bereiten ihm diejenigen, die nicht etwa aus Ueberzeugung, sondern aus einer gewissen Mutlosigkeit reuevoll zur Halb- oder Ganzorthodoxie äußerlich zurückkehren; Mitläufer, auf die die konservative Partei im Judentum wahrlich nicht sehr stolz sein kann. Andere wollen dem Liberalismus neue Stützen geben, indem sie seine Prinzipien auf eine andere Art aufzufassen versuchen, als dies bisher geschehen ist. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, daß die liberale Idee dieser Unterstützung gar nicht bedarf; aber sollen wir die, die darin anderer Meinung sind, deshalb schelten? Diese Diskussionen über die Grundfragen des liberalen Judentums sind doch nur für die Laien überflüssig und lästig, die sich in diese Probleme nicht vertiefen wollen. Die einzelnen Kollegen werden meines Erachtens mit ihren neuen Theorien dieselben Erfahrungen machen, die den Vertretern des alten Liberalismus nicht erspart geblieben sind; ganz einerlei, ob der jüdische Mensch oder das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein oder irgend etwas anderes in den Mittelpunkt einer neuen religiösen Bewegung gestellt werden soll. Alle diese Bemühungen, sie mögen noch so durchgreifend und großzügig gedacht sein, werden erfolglos bleiben und die Massen nicht zur ersehnten religiösen Tat aneifern können, solange die religiöse Gleichgültigkeit immer wieder Nährboden findet in der allgemein herrschenden materiellen, egoistischen Geistesrichtung. wenn immer wieder laut verkündet wird: Lin neues religiöses Leben beginnt aufzublühen, so ist der Wunsch nach einem solchen der Grund dieser Behauptung. Tatsache ist, daß das religiöse Leben schon seit Jahrzehnten zu einem bedauernswerten Stillstand verurtellt ist; ein Stillstand, der nicht mit dem Mangel an religiösen Ideen erklärt werden darf und erst überwunden sein wird, wenn der religiös-sittliche Gedanke in der ganzen Welt wieder Geltung gewinnt. Auf welche weise dieses Ziel erreicht werden kann, das ist eine Frage, die nicht so leicht zu lösen sein wird, und über die die Meinungen der Einzelnen sehr auseinandergehen. Bei feiner Anklage gegen die Rabbiner sollte der Verfasser des erwähnten Artikels doch auch bedenken, daß unsere liberalen Theologen bei einer strengen praktischen Durchführung ihrer jüdisch-liberalen Ansichten nicht einmal die liberalen Gemeindemitglieder auf ihrer Seite hätten und deshalb vor einer solchen Art der Amtsführung zurückschrecken. Das ist eine Stimmung in den Kreisen der Kollegen, die bekämpft werden kann, aber doch immerhin berücksichtigt werden muß. Als eine „positive Tat" von sehr zweifelhafter Wirkung muß es bezeichnet werden, wenn bei den gegenwärtigen Zuständen die Rabbiner nach Meinung des Verfassers bestimmen sollen: „Dies und das dürft ihr tun ohne zu „sündigen", dürft ihr tun und bleibt doch Juden?!" Zunächst dächte ich, kämen doch Forderungen und deren Erfüllung in erster Linie in Betracht. Es ist das alte Spiel: Einzelne Laien, aber nur einzelne, rufen: Erlaubt, erlaubt, erleichtert! Die Rabbiner geben darauf die Antwort: Erfüllt, erfüllt, wenn auch zunächst nur ein Mindestmaß von Pflichten! wenn von uns verlangt wird, die Gesetze zu erleichtern, müssen wir auch mit dem, was wir im liberalen Sinne fordern, Beachtung finden; wenigstens bei denen, die wirklich liberal-religiöse Juden sein wollen, weiter sagt der Verfasser: „Sollen wir Laien uns selbst helfen?" Ja und nein! Die Jugend sei bestrebt, den Rabbiner und Lehrer in seinem Amte zu stützen durch Besuch des Gottesdienstes und der Predigten, den willen zum religiösen Judentum zu bekunden durch häusliche Sabbatfeier und durch Vertiefung in das jüdische Schrifttum. Das sind alte Forderungen — für manchen vielleicht abgedroschen —, über die wir nicht hinauswachsen werden. Durch ihre Erfüllung wird vielen Rabbinern die Freude, in liberalem Sinne religiös zu wirken, wieder gegeben werden. „Sollen wir ihre Führer sein, wir Laien?" fragt Lo Noda. Ich meine zunächst einmal wenigstens Menschen, die gehen können und wollen, wenn man sie führen soll. Ich schließe mit den: Wunsche, daß es nicht für längere Dauer zum Verderb des liberalen Judentums von Rabbinern und Laien mit den Worten des Volksliedes heißen möge: „Ls waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief." Schrifttum und Literatur flus Bibel und Schrifttum. Von Robert Hirschfetd-Berltn. (2. Fortsetzung.) Gen. 2, 2\—25 und 3. Die Erschaffung des Weibes, das verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, die Verführung durch die Schlange, die Erkenntnis des Bösen, der versuch, die Schuld auf andere abzuwälzen und die Bestrafung der Schlange und der beiden Menschen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.