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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-09-01 · Heft 9 (September 1922) · p. Seite 68

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 9 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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Das ganze stellt den versuch dar, nachzuweisen, wie das Böse in die von dein guten Gott geschaffene und darum ebenfalls gute Welt gekommen ist. Die Antwort wird durch den Hinweis gegeben, daß die Schlange den Menschen verführt, daß also die Verführung der ursprüngliche Grund zur Sünde sei. Dabei bleibt natürlich die Frage offen, woher es kommt, daß die ebenfalls von Gott geschaffene Schlange etwas Böses tut. Ls ist nicht unwahrscheinlich, daß auch diese Erzählung ein Vorbild in der babylonischen Literatur gehabt hat, in dem vielleicht die Schlange als das Geschöpf des bösen Gottes die Menschen verführt, aber es ist bisher nicht gelungen, ein solches Vorbild aufzufinden. Ls gibt zwar einen sogenannten Siegelzylinder, auf dem neben einem Baum zwei menschliche Figuren, wahrscheinlich Gottheiten, sich befinden, hinter denen eine Schlangenlinie sich zeigt. Ls ist aber zweifelhaft, ob diese Linie wirklich eine Schlange bedeuten soll, und auch die Bedeutung des ganzen Bildes ist unsicher. Selbst wenn diese Erzählung eine babylonische Vorlage haben sollte, ist doch bemerkenswert, wie der israelitische Verfasser jeden Schein vermeidet, durch den an eine zweite Gottheit erinnert wird. Bewundernswert ist die Lebendigkeit des Stils in der verführungsgeschichte, die Schlange ist in der Art, wie sie fragt und die etwas ängstliche Frau beruhigt, bezw. zur Sünde anreizt, hastig und übertreibend. In Eva spricht nur die Angst vor der Strafe die sie zurückhält, das verbot zu übertreten. Sobald sie erfährt, daß sie nicht nur nichts zu fürchten hat, sondern daß ihr noch ein Vorteil aus der Uebertretung erwachsen wird, greift sie nach der verbotenen Frucht. Nach Kinderart will sie nicht allein sündigen, sondern gibt auch ihrem Manne davon. Eva versucht die Schlange abzuwälzen, nachdem sie durch Adams Aussage als die Verführerin bezeichnet ist, und so trifft die Strafe alle drei. Der Verfasser sucht mit diesen Strafen Vorgänge und Zustände zu begründen, die sich alltäglich abspjelen und noch immer wieder die Verwunderung erregen. Die eigenartigen Bewegungen der Schlangen, der den Menschen eigene Abscheu vor ihnen, die Leiden der Frau und ihre Abhängigkeit vom Manne werden begründet. Die Strafe des Mannes besteht nicht in der Arbeit, die ihm auferlegt wird, sondern vielmehr in der Nutzlosigkeit, die seine Mühe zunächst hat. Die Bemerkung, daß Feindschaft zwischen dem Menschen und den Schlangen immer bestehen wird, daß der Mensch trachten wird, der Schlange den Kopf zu zertreten, während sie sich bemühen wird, ihn dabei in die Ferse zu beißen, wird von der christlichen Theologie als ein Hinweis auf Jesus aufgefaßt. Er, nämlich der Nachkomme Adams, der die Schlange, nämlich das Böse, vernichten wird, ist Jesus. So hat -paulus in diese ersten ganz harmlosen Benrerknngen seine Lehre vorn Sündenfall und ihren Folgen hineingebracht. Zum Schluß wird darauf hingewiesen, daß der Mensch, nachdem er durch seine Erkenntnis des Guten und Bösen Gott ähnlich geworden ist, leicht durch den Genuß der Frucht dss Lebensbaumes auch die Unsterblichkeit erlangen könnte. Darum wird er aus dem Paradiese verwiesen und es werden Vorkehrungen getroffen, daß er dahin nicht zurückkehren kann. 4, \.^6. Die Geschichte von Kain und Abel. Auch hier wird der Versuch gemacht, zn beweisen, daß das Böse in dem Menschen durch Neid und Haß kommt. Das Kapitel wird verständlich, wenn man sich vorstellt, daß Rain die schwere Arbeit des Landmannes mit ihrem zweifelhaften Ertrage mit der leichten und ertragreichen seines Bruders, des Hirten, vergleicht. So entsteht der Neid. Kain wird von Haß erfüllt und erschlägt seinen Bruder auf dem Felde, ist sich aber garnicht klar darüber, daß er ihn ermordet hat, darum ist seine Antwort auf die Frage: wo ist dein Bruder, keine Lüge, er nimmt an, daß Abel wieder weggegangen ist. Darum überwältigt ihn auch die Erkenntnis seiner Schuld (Meine Schuld ist zu groß, ich kann sie nicht ertragen) und der vergebende Gott erleichtert seine Strafe, indem er ihm ein Zeichen macht, daß niemand ihn töten darf. Das Kainszeichen ist also nicht das Merkmal des Verbrechers, sondern das der Vergebung nach der Erkenntnis der Schuld. Aus dem Talmud. Der Kaffer Antonius sprach zu Rabbi, sowohl de« Körper als die Seele können sich rechtfertigen und freisprechen von der Verurteilung. Der Körper kann sagen, blos die Seele ist es, die gesündigt hat, denn seitdem sie sich von mir getrennt hat, liege ich im Grabe wie ein lebloser Stein, die Seele aber kann sagen, blos der Körper hat gesündigt, denn seitdem ich von ihm getrennt bin, schwebe ich wie ein Vogel in der Lust. Rabbi sagte ihm, ich will durch ein Gleichnis hierauf antworten: ein König hatte einen schönen Garten, in welchem sich sehr schöne stühreife Früchte befanden, und setzte zwei Wächter hinein, einen Lahmen und einen Blinden. Da sprach einst der Lahme zu dem Blinden, ich sehe gar schöne stühreife Früchte in dem Garten, sehe mich auf dich hinauf, so nehmen wir sie herunter und essen sie, sie taten also, nahmen die Früchte und aßen sie. Später kam der Eigentümer des Gartens und stagte, wo denn die stühreifen Früchte htngekommen feien? Der Blinde sagt, er habe sie nicht genommen, denn er könne ja nichts sehen. Der Lahme sagt, er habe sie auch nicht genommen, denn er könne ja nicht gehen, was tat aber der Eigentümer^ er stellte den Lahmen auf den Blinden und verurteilte sie mit einander. So macht es auch Gott, er senkt die Seele wieder in den Körper und verurteilt beide miteinander. Sanhedrin, Abschn. u. Spender-Liste Lotte Leschziner-Breslau dankt Berliner Jli-Mitgliedern für Geburtstagswünsche.10,— Mk. Bankier Paul Emden-Berlin.. . 500,— - Dr. Julius Woyda-Berlin dankt für Glückwünsche anläßlich seiner Verlobung.50,— - Justizrat Plonsker dankt für Glückwünsche zu seinem 60. Geburtstag. 300,— - Bruno Woyda-Berlin gratuliert Erich Bayer nachträglich zum Geburtstag.60,— - Justizrat Kosierlitz-Kömgshütte anläßlich des Todestages seines Sohnes Werner.... .... 100,— - Berthold Metis-Liegnitz.60,— - Siegfried Herz dankt Herrn Dipl.-Jng. Bnmo Woyda für freundliche Glückwünsche und gratuliert Herrn Dr. iur. Julius Woyda zur Verlobung mit Fräulein Eohn..50,— - Berta Hirschberg-Berliy. 100,— - Zur Ablösung der Neujahrs glü ckrv üns cher Bruno Woyda-Berlin .. 50,— Mk. Alfred Berger-Breslau ........... 30,— - Adolf Baumgarten-Breslau. ......... 10,— - Alfred Dickmann-Fürth i. Bayern ....... 25,— - Egon Dickmann-BreZlau. ..25,— - Vereinsaöressen 1. Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jngendvereine. Ehrenvorsitzender: Rechtsanwalt und Notar Heinrich Stern, Berlin W. 10, Friedrich-Wilhelmstraße 20. Vorsitzender: Erich Bayer, Breslau I, Karlstraße.13; Fernruf: Amt Ring 2702. Kasse und Büro: Alfred Berger, Breslau VII, Höfchenstraße SI. Postscheck-Konto Breslau Nr. 17 443. Die Mitteilungen erscheinen regelmäßig in jeder dritten Woche des Monats als Beilage der „Jüdisch-liberalen Zeitung" unter eigener Redaktion. Redakttonsschlntz für die Oktober-Rummer der Mitteilungen ist der 25. September. Sämtliche für die Mitteilungen besttmmten Schriftfachen find zu senden an Dipü- Ing. Bruno Woyda, Berlin R 37, Prenzlauer Allee 8, U Schriftleiter für den Teil: Jüdische ÄeltanschauungSfrage»: Gemeinderabbimr Dr. Bogelstein-Bre-Iau; für den Teil: Jüdische TazeSfragen und Jugendbewegung: Rabbiner Dr. Nellhaur-Stettii»; für den Teil: Schrifttum und Literatur: Robert Hirsch selb »Berlin;' für dir Lerbandt» und verein-nachlichtrn: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin. — Hauptschriftlelter: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin R 37, Prenzlauer Allee 6. Druck uad Verlag: Th. Schatzky E. m. b. Bretlau III, Reu« Graupenstraße 7.

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