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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-08-01 · Heft 8 (August 1922) · p. Seite 58

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 8 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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88 — Mahnung zn beherzigen und vielleicht durch eine» Ausbau der „Mitteilungenseine und unsere wünsche zu erfüll«? In der ersten predigt, welche Stein für seine Monatsschrift veröffentlicht hat, und die den Viel führt „Das mosaische Gesetz vom Standpunkte seiner Fett,- führt er den Nachweis, daß die Ehrfurcht vor den mosaischen Gesetzen nicht beeinträchtigt wird, wenn wir dieselben vom Standpunkt ihrer Zeit beurteilen, sondern daß sie iin Gegenteil gesteigert wird, indem erst vermöge einer solchen Beurteilung das göttliche Gebot seine ganze Wirksamkeit auch auf uns äußern kann, daß wir durch dasselbe vollkommener, weiser und besser werden.- Ueber den Gottesdienst sagt St. im vierten Artikel des „Ist. Volkslehrer-: „$« öffentliche Gottesdienst ist gleichsam das Angesicht, was eine Rellgiousgcsellschaft der Welt zeigt, und sowie sich in de» Gesichtszügen Geist und Gemüt, Charakter und Schicksale allmählich treu ansprägen, so spiegelt sich dieses Alles in Betreff der Glaubensgemeinde klar in ihrem külltur ab.- DasStück 57 des). v.ist eine predigtdes La d bi» e r D r. M. Gold stein im Tempel der Brüder- Gemeinde in Posen gehalten, aus welcher wir folgende Stelle für unsere Zwecke mittell«: „was könnte nun, lieben Freunde, der Zweck dieser müudllche» Uebeulieferung (mündliche Lehre) wohl anderes fei», als dem Menschengeiste seine ewige Freiheit, de« Zettbervoßtsei» seine heilige Berechtigung unangetastet zu wahre» und z» erhalten? Hätte es Israel nimmer gestattet fei» sollen, selber zu forschen und zu untersuchen, zu erkläre» und zu deuten, nun dann hätte wohl der Herr sei» Wort klar«ud unzweideutig kund getan, es niedergeschrieben und verzeichnen lassen, unverwischbar und unverttlgbar für alle Zette». Doch ne«, die Grundzüge nur wurden für ewige Zettenniedergeschriebe», die Säulen nur und Grundpfeiler wurden eingesetzt, daß sie alles überdauern; ihr fernerer Ausbau aber wurde jegliche« Zeitalter und jeglichem Geschlecht, überlaste«. Die mündliche Lehre, sie pflanzte sich fort, stets sich entwickelnd, stets sich weiterbildend, so daß sie in späterer Zett kaum ad dieselbe frühere mehr zn erkenne» war. — Rnwie anders, lieben Freunde, erscheint uus das Judentum der Propheten, als das des Moses, wie anders wieder»« das der fp&tet« Zeit als das der Propheten! . .. was wäre unser Glaub«, lieben Freunde, wen» er $» fürchte» hätte de» Prüsstei» des Geistes, wenn er zu scheuen hätte das Urteil der Vernunft l Und kan« es dem» sündhaft sein, nicht blos zu glauben, fand«» auch wissen, erkenne» zu wolle»? wollte ja Mofts selbst, nicht zufrieden «tt tat Stufe seiner geistigen Erkenntnis von Gott, «tt hellere« Auge Gottes w^erchett schaue» und rief: Laß dein» HerrttchkeitJmjch sehe« nab anschanen!" Hat er ja vor seine« L^enseude de» IftaE« ernst und nachdrücklich es geboten: Du sollst es z» erkenne», in deine« Iunereuzes zu begreife» strebe», daß der Ewige Gott ist,- istcht einfältig nur himrehm«, nicht gestd und sinnlos blos glauben, sondern geistig erfaflen und erkenne»!- . . . jM Leopold Stein sagt in seine« Vorworte zu de« zweiten Jahrgang des volkslehrer- *8*2 Wort«, die heute so recht aktuell find: »Es ist dieses «cher Organ in der Gegenwart das einzig« in feiner Art, welches die Interesse» des religiösen Fortschritts unter de» Israels« krMg wcchrt. Die Reform feiert, die Reformer schweige» — während auf allen religiöse« Gebieten, in und außer Israel, die Männer der Finsternis kecker als je ihr düsterer Haupt erhebe«, oh hätten die schauerliche» Nebel das Antlitz der Sonne für immer verdmcktttl Um so heiligere Pflicht bleibt es da, dem wieder Herr werden wollenden Fanatismus die freie Stirn mutig entgegen zu stellen, und durch das geflügelte Wort, das von Lande zu Lande eilt, die Gleichgesinnten im Kampfe wach zu ettvrlten und um die leuchtende Fahne zu scharen, deren Vevkft tatet, R t~ ligiou im Bunde mit de« Fortschritt de. Seit! ... Nächten sich «u dieselbe alle diejeulge» zahlreich scharen, welche mtt uns ttef von der Uebetzeugmeg durchdrungen sind, daß der Fortschritt der Zett ohne Religion ebenso gewiß «U de« Rückschritt der Menschhett endet, als die Religion ohne Fortschritte notwendig in de« eigene« morsche« Bode» einsinkt und verfällt. Da beides nicht geschehen darf, nicht geschehen tan, ohne an dem Qctt der Menschhett zu verzweifeln, so vermag kein« Macht auf Erden unseren Mut za beuge», keine »och so trüb« Gestattung der Verhältnisse unser felsenfeste» vertraue» auf de« endlichen Sieg einer veruunfterleuchtende» und «enschenverbrüderuden Religiosität zu breche»! — Gott mtt uns!—»Sprich zu de» Kinder» Israel», daß sie vorwärts ziehenk- I» seiner Predigt „Religion im Bunde mtt der Vernunftprägt L. St. folgende beherzigenswerte Worte, „wollen di« Verteidiger der Religio« mtt ihrer Behary>tang (Es gitt eine Probe! zählet sie doch die Herze« alle, welch« der heiüg« Gottesfmcke beglückend erhöbe», begeistert entflammt! zähltt sie, die der Anbttck zur HSHe gestäckt, der Glaube beseeltst, die Religio» getröstet hat —und w e nn ihr st» zählen könnt, daun mögtt ihr an dem unermeßliche« Helle zweifeln, welches die Reügion der Menschhett geschenkt hat) jede» Mißbrauch heilige», jede» Auswuchs beschSnige», so hocke» sie Unrecht! Den» gerade aus dem Mißbrauch, welche« die vorbetend« Heuchelei und die nachbeteude Dummheü «tt der Religio» getrieben haben, «rtstand und entsteht noch all das Unheil, was die Gegner mtt Recht ad Vorwurf geltend mach«. Voll« aber diese mtt ihrer Behauptung alle wohltuende, heilsame, ja naturnotrvendige Kraft, welche die tvost- und erhohlungsbedürftige Menschhett der Religio« entschöpfh wegleugueu, dann Hab« s i e Anrecht, den» sie wollen di« Menschhett jener reiche«, himmlisch« QtxdU berauben, woraus das Hetz eine Stärkung und Belebung zieht, welche die Ander« «tt Recht als eine Rettung und Verteidigung der Religio« erschein« lassen. St. fihrt 1» dieser Predigt den Nachweis, Religio« i« Bunde mit der Vernunft erwärmt unser Herz, waffnet unser» Geist, erheitert unser Angesicht und erhebt de» ganzen Mensche«! Der «»genannte Verfasser des Artikels Zusammenstellung der Austz-rÜche über das verbot des Gesäuert« «n Pesachfesteim Jahrgang *8*2 des ). V. sagte: „Möchten doch die Rabbiner in Deutschland einmal d« Mut habe», mtt diese« uusinnlg« Führer, dem Minhag zu brechen, damtt sie selbst wktbtt di« vernünftig«, selbstdenkend« Führer ihr« Gemeind« würde». Abeu-Lrra, ein Fackelträg« jener erleuchtet« Gelehrt«schul« in Spanien, führt in fttuem Komment« zu d« Sprüch« Salomos über das Wort jp erkenn« Weisheit und Jucht- I v* nachdem er die Stell» dahin «Säte, daß die weishett »ns unterrichtetes wie wir i» wahrhett das zSttüche Vott erfüll« soll«, di« weitere Ansicht «mf „tat Minhag ist der Sohn ländlich« Unwissenheit-. In der Tat steht derselbe gar oft mtt der göttliche» Vorschrift in dirttte» Widerspruch und vermag das Licht wiffenschafÄch« Beleuchtung nicht zu ertragen. Das Volk bemächttete sich eines Mißbrauchs, welch« chm als religiöser Brauch von irgend eine« Erschwer« empfohlen ward, und die umsichtig«« Rabbiner vermocht« daun nicht mehr geg« die einsichtslos« Masse aufznkonrmen, sie war« Gefichrte, bei»« Führ« mehr. .. . Mächte» Rabbin« und Gemeind« ... im Sonnenlichte ein« besser« Zett Schmarotzerpflanze» entferne», welche sich auf de« gättkichen Baume «Hellend und beraubend eingenistet.- St. behänd ett i« einer predigt^) erzweiteFeiert a gdiese vielmustrttten« Frage (Aprüheft *srr) und kommt zu dem Schlofft, daß weder in den mosaischen, noch in d« vhxopetiichen Schxitzen. ja selbst m der Mschna des zweit«

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