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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-07-01 · Heft 7 (Juli 1922) · p. Seite 51

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 7 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 51 (sequence 7)
Language
German
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aber ursprünglich Jahwe gelautet hat. Man weist darum die zwei Kapitel verschiedenen Quellen zu und es ist jq wohl auch klar, daß der zweite Schöpfungsbericht der naturwüchsigere und daher der ältere ist. Das zeigt sich auch in dem Lbarakter der Sprache der beiden Kapitel, der jedem Renner des hebräischen sofort auffält. Im einzelnen ist zu den beiden Kapiteln noch folgendes zu bemerken. Vas Lhaos, das in den ersten Sätzen gezeichnet wir-, wird besonders charakterisiert durch die Worte tohu wabohu, die gewöhnlich mit öde und leer übersetzt werden. Der Geist Gottes schwebte über dem Abgrund „tehom"; dieses letzte Wort wird von eifrigen Verfechtern der Idee, daß dos biblische Schrifttum vov Babylonien stark beeinflußt sei, mit dem Namen der babylonischen Urschlange „IllrLmat" in Verbindung gebracht. Das scheint aber übertrieben zu sein, da sich sonst kaum eine Spur davon findet. Das Licht, das am ersten Tage geschaffen wurde, hat nichts mit dem Licht der Himmelskörper zu tun, die ja erst am dritten Tage geschaffen wurden. Die Wölbung des Fimmels soll eine Scheidewand sein, zwischen den oberen und unteren Gewässern, man stellte sich vor, daß der Regen oberhalb einer Kristallschale lagert und durch besondere Schleusen zurückgehalten oder freigegeben werde. Die in der israelitischen Vorzeit vorhandene feherlhafte astronomische Anschauung zeigt sich selbstverständlich bei dem Bericht der Erschaffung von Sonne, Mond und Sternen, aber er will ja auch nur die Meinung eines klugen und guten Menschen über die Entstehung der Welt wiedergeben, der es sich sicher nicht hat träumen lassen, daß seine Meinung einmal als göttliche Offenbarung und unumstößliche Wahrheit angesehen werden würde. Besonders feierlich wird die Erschaffung des Menschen eingeleitet, er wird im Ebenbilde Gottes geschaffen, was nach jüdischer Auffassung bedeutet, daß der Mensch nach der Ähnlichkeit mit Gott, d. h. nach sittlicher Vervollkommnung streben soll. Es zeigt sich hier deutlich der Einfluß der prophetischen Ideen, der als das Ziel alles menschlichen Strebens und als höchste Aufgabe des Menschen in dem Satze gipfelt: „heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, euer Gott." Auch die Herrschaft über alles geschaffene, die dem Menschen übertragen wird, ist in diesem Sinne aufzusassen, da sie ja auch die Beherschung des eigenen wollens und Handelns in sich schließt. 'Daß am Anfang -er Erzählung von der Schöpfung des Menschen Gott von sich in der Mehrzahl spricht („wir ,vollen einen Menschenmachen in unserem Ebenbilde") hat zu vielen Deutungen Anlaß gegeben, insbesondere als ob eine Mehrheit von Göttern sich miteinander beraten habe, das ist besonders von christlicher Seite viel als Beweis dafür angeführt worden, daß die Dreieinigkeitslehre sich schon in unserer Bibel finde. Die einfachste Erklärung für diesen Plural ergiebt sich wohl, wenn man daran dentt, daß Elauhim (Gott) eine pluralform ist und es im poetischen Schwünge wohl Vorkommen konnte, daß auch das zu ihm gehörige Verbum in den Plural gefetzt wurde. Der Kenner -es Hebrällchen weiß ja, daß in dieser Sprache der Wechsel von Singular und Plural nichts Auffälliges ist. ' Im zweiten Kapitel wird die Schaffung des Menschen eingehender beschrieben, während im ersten Kapitel gesagt wird „Gott schuf den Menschen als Mann und Weib, wird in: zweiten Kapitel zunächst nur der Mann aus Erde geschaffen, der durch Einhauchen eines göttlichen Odems zum Menschen wird. Auf diese weise sucht man sich das körperliche und seelische Wesen des Menschen klar zu machen, dessen Vergänglichkeit man klar einsah, während man andererseits das Geistige als etwas Unvergängliches und den Menschen vor allen anderen Wesen Auszeichnendes, erkannte. Die Frau wird aus einem Teil des Mannes geschaffen und damit die Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit der Geschlechter znm Ausdruck gebracht werden soll. Anderseits wurde später aus diesem Schöpfungsbericht die Minderwertigkeit der Frau und ihre Abhängigkeit vom Manne gefolgert, was aber dem klaren Wortlaut durchaus widerspricht. Für den Menschen werden Pflanzen und Tiere geschaffen, die ersteren bilden einen „Garten in Eden" das soll wohl eigentlich heißen, ein Gatten der Lust, was das gttechischewort Paradies wiedergibt. Die daran angefchlofsene Beschreibung der vier Ströme ist für die Kenntnis der alten Geographie sehr interressant. Die Darstellung im zweiten Kapitel wird unterstützt durch eine vor etwa 50 Jahren aufgefundene Tontafel, die den Versuch darstellt, das altbabylonifche Weltbild wiederzugeben, es scheint sich etwa darum zu handeln, daß man das rote Meer und den persischen Meerbusen in irgend eine Verbindung mit einander und mit dem Nil brachte. Darauf scheinen sich die wotte zu beziehen. „Der Name des einen Flusses ist pison ... der Name des zweiten Flusses ist Gichon usw." dabei ist zu bemerken daß Kusch Oberägypten oder Nubien bezeichnet, während das Land Lhavilla in dem Gold und Edelsteine gefunden werden, vielleicht Indien bezeichnen soll. Klar ist, daß unter Hiddeckel und Phrath, Euphrat und Tigris zu verstehen find. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wird in seiner Bezeichnung erst verständlich aus der folgenden Erzählung. Adam benennt die ihm vorgeführien Tiere und lernt dabei den Gebrauch der Sprache. Der Mensch soll den Garten bebauen und behüte«. Nicht im ttägen Dasein soll er fein Leben verbringen, sondern in tätiger Arbeit, die zur Verbesserung seiner Umgebung führt. Der Baum der Erkenntnis etc. Aus dem Talmud. Rabbi Simon ben Jochai wurde von seinen Schülern gefragt, warum ist das Manna nicht für ein ganzes Jahr auf einmal für die Israeliten herabgekommen? Er antworttte ihnen, ich will euch ein Gleichnis erzählen. Ein König hatte einen Sohn, dessen Lebensunterhalt auf ein ganzes Jahr er auf einmal bestimmt hatte, der Sohn begrüßte dafiir seinen Vater nur einmal im ganzen Jahre. Später setzte ihm der Vater den Lebensunterhalt von Tag zu Tag aus« wird sich da der Sohn nicht veranlaßt gesehen haben, seinen Vater jeden Tag zu begrüßen? So war es nun auch Lei den Israeliten, Hatte der eine und der andere vier oder fünf Kinder, so mußte er besorgen, daß vielleicht am nächsten Tage das Manna nicht herabkomme und seine Kinder werden Hungers sterben, und dadurch waren die Israeliten veranlaßt, ihre Kerzen ihrem himmlischen Vater zuzuwenden. Jomah Mschnitt S. Ebenso wie die Mittel zum Lebensunterhalt dem Menschen vorher bestimmt werden, so werden auch seine Verluste vorherbestimmt. Hat er Verdienste, so kommen seine Verluste würdigen Armen zugute, im anderen Falle werden sie unwürdigen Armen zuteil werden. So hatte Rabbi Jochanan ben Sakkai im Traume gesehen, daß seine Schwesterssöhne einen Verlust von siebenhundert Denaren erleiden werden, und veranlaßte sie, soviel an Arme zu geben, es blieben ihnen noch siebzehn Denare übrig, da wurden ihnen am Tage vor dem Versöhnungstage von der römischen Obrigkeit so viele Denare genommen. Als Rabbi Jochanan ben Sakkai es hörte, sprach er zu ihnen: „seid deshalb unbekümmett, es sind euch bloß jene \7 Denare genommen worden, die ihr den Armen zu geben unterlassen hattet." Sie fragten ihn, woher weißt du dieses? Er antwortete, ich hatte es in einem Trauin so gesehen. Sie fragten ihn, warum hast du es uns nicht gesagt, damit wir die?oo Denare vollständig den Armen gegeben hätten? Er antwortete aber, ich habe dieses deshalb unterlassen, damit ihr die Wohltätigkeit in reiner Absicht üben möget. Babra bathra Abschnitt

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