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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-07-01 · Heft 7 (Juli 1922) · p. Seite 52

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 7 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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Worte -es Se-enkens. Einen schweren Verlud Hai der Berliner Jli erlitten, Am Vonnervtag, den lZ. Juli ist unser teurev Mitglied Krau ^khea )lrn-t au» dem Lebe» geschieden. Erst einunddreißigiShrig, packte sie eine heimtückische Rrankheit, von der sie nun nach l'/a Jahren qualvollster Leiden erlöst wurde. Mit ihr ist eine der Besten dahingegangen. Ein Mensch von wahrhaft edlem Lharakter und höchster Begabung. Sie war ein überaus aufrichtiger und gerecht denkender Mensch. Erfüllt von hohem Streben, hörte sie nie auf, an sich selbst zu arbeiten. Ihren Schülerinnen, und später ihren Rindern war sie ein Vorbild liebevollster, treuester Pflichterfüllung. Sie war eine durchaus ernste Natur, und doch, wieviel Frohsinn und heitere Lebens* freude wußte sie in ihrem Rrekse auozubreiten. Sie verstand Las Leben zu meistern wie kaum einer, ihr jüdischer Optimismus half ihr auch über schwere Stunden ihres Lebens immer wieder hinweg. In ihr lebten Deutschtum und Judentum in vollster Harmonie. Deutscher Geist und deutsche» Wesen waren in ihr lebendig, wer wie ich das Glück hatte, mit ihr durch Wälder und Felder zu wandern, -er weiß, wie tief in ihr die Liebe zur deutschen Heimat wurzelte. Nichts konnte sie tiefer verletzen, als wenn man ihr von jüdischer Seite die» Augehörigkeitsgefühl zum deutschen Volke absprach. Und wie sie zu wandern verstand! wie nahm sie alle», was in der Natur um sie lebte und webte in sich auf! Ein tiefes Gefühl verband sie mit der Natur. Am liebsten wunderte sie -nrch die Mark. Fontane war dann wohl oft ihr stiller Begleiter. In nicht minder starkem Maße als die Liebe zu deutscher Art und deutscher Heimat lebte in ihr da» Judentum. Von Natur aus eln tief religiös veranlagter Mensch, war ihr da» Judentum die Religion und da» liberale Judentum das Judentum. Ihr Hau» war eine Stätte echter jüdischer Frömmigkeit und ein Beweis dafür, -aß auch auf dem Boden des Liberalismus wahrhaft jüdisches Leben möglich ist. Sie lehrte liberales Judentum nicht nur auf dem Latheder, in ihrem Heim wurde es zur lebendigen Wirklichkeit. In ihrem Haus nahm liberale» Judentum Form und Gestalt an. Viele Freitagabende, Sederabende und Festtage durfte ich in ihrem Hause verleben, stet» bin ich erfüllt von jüdischem Geist und jüdischer Religiosität von ihnen gegangen. Sie war kein Freund von Rompromiffen und vor allem nicht in Angelegenheiten der religiösen Überzeugung. was sie dem Jli bedeutet half Viel, sehr viel. Von wahrhaft liberalem Judentum erfüllt, half sie den Jli gründen, um durch ihn an der Verbreitung liberaler Ideen mitzuarbekten. Sie gehörte zu den wenigen, die während -ec langen Rriegojahre geholfen haben, das Leben Lm Berliner Jli aufrecht zu erhallen. Obwohl viel häusliche und zeitweise noch berufliche Pflichten auf ihr lasteten, hat sie das arbeitsreiche Amt der I. Schriftführerin lange inne gehabt und war stets aufrichtig an -er Leitung unserer Jli interessiert. Als sie nach Vollendung de» 30. Lebensjahres ihr Amt niederlegte, wurde sie als Beiratsmitglied Ln den Vorstand gewählt. Leider war es ihr nur zu kurze Jett vergönnt, als Beiratsmitglied im Vorstand zu wirken, wir Vorstandsmitglieder, die wir mit ihr Zusammenarbeiten durften, wissen, was wir an ihr verloren haben. Immer wieder hatte sie neue Vorschläge und neue Anregungen. Stets war sie bemüht, wahrhaft geistiges Leben bei uns zu verbreiten, und wenn es uns vielleicht in geringem Maße gelungen ist, das Leben im Berliner Jli auf eine geistige Grundlage zu stellen, so ist da» nicht zum Mindesten mit das Verdienst unserer teuren verstorbenen. Aber nicht nur uns Vorstandsmitgliedern ha« sie so viel als Mensch und Mitarbekter bedeutet. Sie genoß in den weitesten Rreksen unserer Mitglieder tiefes Vertrauen. Viele fühlten sich zu ihr hingezogen, und manchen von unfern Freunden hat sie vermöge ihres seinen psychologischen Verständnisse» über schwere Seelennöte hinwegzuhelfen versucht, wenn auch viele von unseren heutigen Mitgliedern sie nicht mehr gekannt haben, so werden wir andern doch gern und dankbar der Stunden gedenken, die wir mit ihr verleben durften. Das Letzte, was sie im Jli zu tun gedachte, mußte leider in den allerersten Anfängen stecke» bleiben. Nachdem sie über den jüdischen Ju-end-ottesdienst an den-hohen Feiertagen ein Referat gehalten hatte, wollte sie mit einer damals gegründeten Rommission positive Vorschläge für die Neugestaltung des Jugend-ottesdienstes ausarbeiten, die vom Jli au» der Gemeinde übergeben «erden sollten. Uno wird ev obliegen, dieses Werk in ihrem SiNne zu vollenden, wenn wir heute tieferschüttert an -er Bahre dieses allzufrüh dahtngeschiedenen Menschenleben» stehen, so können 'wir nur hoch unheilig geloben, ihr ein «reue» Andenken zu bewahren, indem wie weiter wandeln auf dem Wege, den wir bisher gemeinsam mit ihr gegangen sind. Ellen Littmann. . Spender-Liste Jli-Breslau, Beitrag pro III. Quartal. 1600,— Mk. Sammlung anläßlich der Berloburigsfeier von Frl. Erna Groß-Schweidnitz mit Herrn Earl Werner- BreSlau. .. 200,— Bruno Woyda-Berlin gratuliert Herrn Rechtsanwalt Stern zur Geburt der Tochter und Herrn Diplom- Ingenieur Herz zur Geburt der Tochter . . . 20,— » Bruno Woyda - Berlin gratuliert seinem lieben Freunde Rudi Weiß zum Geburtstage. . . . 10,— - VereinSaöressen 1. Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jngrndvereinr. Ehrenvorsitzender: Rechtsanwalt und Notar Heinrich Stern, Berlin W. 10, Friedrich-Wilhelmstraße 20. Vorsitzender: Erich Bayer, Breslau I, Karlstraße 13; Fernruf: Amt Ring 2702. Kasse unb Büro: Alfred Berger, Breslau VII, Höfchenstraße 61. Postscheck-Konto Breslau Nr. 17 443. 2. Berbandddereine. 1. Jli-Breslau: Vorsitzende: Erich Bayer, Karlstraße 13, Curt Brienitzer, Höfchenplatz 3, Rechtsanwalt Erich Spitz, Gutenbergstraße 4; Schriftführer: Max Vogelstein, Anger 8. 2. Jli-Berlin: Vorsitzender: Referendar Arthur Lilienthal, Berlin W. 60, Eislebener Straße 4; Schriftführer: Georg Michaelsohn, Charlottenburg, Giesebrechtstraße 10. 3. Jli-Frankfurt a. M.: 1. Vorsitzender Dr. Erwin Seligmann, Liebigftr. 5; Schriftführer Erwin Baer, Bückerweg 23. 4. Jli-Ratibor: Schriftführerin Berta Bartenstein, Ring.7. 6. Jli-Liegnitz: 1. Vorsitzender Dr. Phil. Naumann, Däslerstraße 14; Schriftführer: Berthold Metis, Schübertstraße 10. 6. Jli-Potsdam: 1. Vorsitzender Rabbiner Dr. Schreiber; 2. Vorsitzender und Schriftführer Paul Bloch,- Neue Königstraße 102. 7. Jli-Leipzig: 1. Vorsitzender Heinz Lewin, sind. rer. et cain. Leipzig, Grafsistraße 20. 8. Jli-Rybnik: Schriftführerin Hedwig Gadiel, Promenadenstraße 3. 9. Jli-Münster: 1. Vorsitzender Rabbiner Dr. Steinthal, Kanonengraben 4: Schriftführerin Lilly Löwenberg, Hammerstraße 47. 10. Jli-Krenzburg: 1. Vorsitzender Rechtsanwalt Jablonsly, 2. Vorsitzender Martin Markus, Schloßstrahe 3. Die Mitteilungen erscheinen regelmäßig ln jeder dritte» Woche des Monats als Beilage der „Jüdisch-liberale« Zeitung" unter eigener Redaktion. AedakttonSschlutz für die August-Nummer der Mitteilungen ist der SS. Juli. Sämtliche für die Mitteilungen bestimmte Schriftfachen find z« fenden an Dipl.-Ing. Brun» Woyda, Berlin N 37, Prenzlauer Allee 6,1. Schriftleiter für btit Tell: Jüdische Weltanschauung,frage»: «emeinberabbtuer Dr. vogelstrimBreslau; für den Teil: Jüdische Tagesfraaen und Jugendbewttuu,: Nabtiner Dr. Nell hau,-Stettin und Ludwig Nie ^Frankfurt «. W.; für de» Teil: Schrifttum und Literatur: Robert Hirschseld.»erll«; für die»«band». «ud verein,Nachrichten: Dipl.»J«a. Brun» Woyda, Berlin. — Hauytschristlrlter: Dipl. Ing. Bruno Woyda, Berlin ft 37, Premlauer Allee 5. — Druck «* vale«: Th. Tchadlv 9.«. b. H. Br«,lau lll. Reue Gvaupeustrahe 7.

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