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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-07-01 · Heft 7 (Juli 1922) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 7 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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kurze schematische Uebersicht der Aussprüche obengenannter Reformer als apologetisches Material' für die Anhänger der Reformbewegung darbieten. AbrahamG eige r (\. Vorlesung) hat tiefsinnig und dabei doch in vollkommener Klarheit und Verständlichkeit das Wesen der Religion also bezeichnet: „Die Religion ist keine Ausgeburt müßiger Priester, sie lebte und lebt in -er Menschheit, und ein jedes gute und edle Streben, wenn sich der Mensch anschließt, in Liebe und Innigkeit seine abschließende Selbstsucht aufgibt, sich anschließt an das Vaterland und für dasselbe sein eigenes Leben und seine Wohlfahrt hingibt und gerne wirkt für die Gesamtheit und mit den: Streben nach höherem sich erfüllt, das ist ein Werk der Religion. Mag sie nach ihrer Erscheinung verschieden auftreten, die Religion als solche ist ein Notwendiges, das Edelste im Menschen und wird nur mit dem Menschen aufhören, nicht unter den Menschen. So lange der Schwung des Geistes zum Allgeiste bleibt, so lange ist das religiöse Leben vorhanden. Die Religion ist ein Leben. Das ganze Tun -es Menschen, insofern es von höheren Gesichtspunkten geleitet ist und nach ihnen hinstrebt, ist ein Werk der Religion, ist eine Errungenschaft derselben. Die Religion wird geläuterter, klarer werden, aber sie wird immer bleiben, weil das Sehnen und die Unvollkommenheil in dem Menschen immer bleiben wird. Je mehr er vorschreitet, um so mehr wird er den Abstand fühlen von dem Unendlichen und von »der ewigen Weisheit, aber auch um so mehr mit voller Eingebung zu ihr emporblicken, an ihr saugen, vor ihr sich beugen in Innigkeit und Demut. Hat das Judentum als Religion gewirkt, wirkt es noch als solche, so ist es eine der edelsten Lebenskräfte in - er Menschheit! G. untersucht nun diese Frage (2. Vorlesung) unter dem Gesichtspunkte „die Religion im Judentum" und kommt zu folgenden Ergebnissen: „Der Name, der Gott eigen ist im Judentum, ist später sehr bezeichnend als unaussprechlich betrachtet worden, weil kein Name ihn umfassen, keiner ihm entsprechend sein könne: es wurden die Laute vergessen, und wir können ihn heute wirklich nicht mehr aussprechen. Leine Bedeutung aber ist sicher! „Er ist," so lautet er; wie Gott von sich selbst sprechend in der heiligen Schrift sagt: „ich bin, der ich bin," so sagt der Mensch von jhm: er ist! das einzige Sein das Allumfassende für Natur wie für Menschenleben. „Er ist" und als solches allumfassendes Sein natürlich auch absolute Einheit. Dieses Wort der Einheit schallt durchalle Schriften des Judentums, und das Grundwort Israels ist: „Er; Israel, „er ist", ist unser Gott, „er ist" ist einzig."-„von alters her wurde die Frage aufgeworfen, warum denn die heilige Schrift beginne mit der Erzählung der ersten Zeit und nicht mit den ersten Geboten? wozu denn das ftühere? Die Antwort lautete: die Kraft seiner Werke verkündete er seinem Volke, und wenn auch nicht Gebote an der ersten Stelle stehen, so liegen Betrachtungen vor, die gleichfalls ein religiöses Element in sich tragen. Die Frage ist aufgeworfen von einem engen äußerlichen Standpunkte a u s."-Diese Religion hat nun auch den innersten Trieb als "Religion der Menschheit allen ihre Segnungen entgegen zu bringen. Das iffc'ein Jubel, der aus allen Propheten und Sängern hervorbricht in dem Gedanken, daß über alle Welt die Anerkennung Gottes sich ausbreiten wird, nicht die beengte Volkstiimlichkeit, die ganze Menschheit soll es sein, weil Gott der einzige Vater aller Menschen ist, weil die Liebe allen Menschen sich zuwendet und allen ihre weihe und tiefere Erquickung entgegenbringen soll." Daß gerade Israel inmitten einer heidnischen Umgebung der Menschheit diese Erkenntnis gebracht hat, das sieht G. als eine Kundgebung der jüdischen Genialität, insbesondere bei den großen Propheten an, das ist eine Offenbarung der religiösen Genialität im jüdischen Volke! Die Lehre von der Offenbarung, in welcher der grundlegende Unterschied der Reformbcwegung von den anderen religiösen Parteien im Judentum liegt, definiert G. also: „Hat nicht das jüdische Volk gleichfalls eine solche Genialität, eine religiöse Genialität? Ist es nicht gleichfalls eine ursprüngliche Kraft, die ihm die Augen erleuchtete, daß sie tiefer hineinschauten in das höhere Geistesleben, die enge Beziehung zwischen dem Menschengerste und dem Allgeiste lebendiger erkannten, inniger empfanden, die höhere Anforderung dps menschlichen Lebens, die tiefere Natur des Sittlichen im Menschen mit einer größeren Kraft und Klarheit erschauten und als Erkenntnis aus sich heraus gebaren? Ist es also, so ist dies die innigere Berührung des Einzelgeiftes mit dem Allgeist, das Hineinleuchten der alles erfüllenden Kraft in die einzelnen Geister, so daß sie ihre endliche Schranke durchbrechen, das ist, scheuen wir doch das Wort nicht, Offenbarung, und zwar wie sie im ganzen Volke sich kund gab.-Ja, das IudentunNst entstanden in dem Volke der Offenbarung. Und warum sollten wir das Wort dann nicht gebrauchen dürfen, da, wo wir auf den Urgrund stoßen, auch eine Erleuchtung, die von dem höheren Geiste ausgeht, die nicht erklärt werden kann, in ihrem Ursprünge nicht aus einer Entwicklung sich zusammenfetzt, wenn sie auch dann weiter entwickelt wird, die schon von vornherein als ein Ganzes da ist, wie eine jegliche neue Schöpfung, die aus dem Urgeists hervorgeht. Wir wollen das Wort nicht in dogmatischer Weise beengen und begrenzen, es mag verschieden aufgefaßt werden, aber in seinem inneren Wesen bleibt es dasselbe, die Berührung der menschlichen Vernunft mit dem tiefen Urgrund aller Dinge. So hoch die alten Lehrer die Offenbarung emporgehoben haben, so haben sie niemals in Abrede gestellt, daß sie mit einer menschlichen Begabung zusammenhängt. — Ein ebenso tiefer Denker wie inniger Dichter im Mittelalter, Jehuda Ha-Levi, bezeichnete die Offenbarung mit Bestimmtheit als eine Anlage, die in dem ganzen Volke lebendig war.-Maimonides sprach von der blitzartigen Erleuchtung, als welche d i e Offenbarung zu betrachten fei; dem einen fei die Erleuchtung bloß für eine kurze Zeit vergönnt, dem anderen wiederhole sie sich, und wiederum bei Mofes fei sie eine andauernde gewesen, eine Erleuchtung, die die Dunkelheiten erhellt, den Menschen in die Verborgenheiten einen Blick tun laßt, der ihm enthüllt, was anderen verdeckt geblieben. Ueber die äußere Gottesverehrung sagt G. (14. Vorlesung): „Der neue Gottesdienst, das Gebet trat an die Stelle des alten Tempeldienstes. Gebet, Betrachtung und Belehrung, wie sie bereits in den Neben- Gotteshäusern, in den Synagogen der Pharisäergenossenschaften stattfanden, wurden nunmehr als die einzige wahrhafte Gottesverehrung, welche in Israel herrschen sollte, anerkannt."-Der Gottesdienst ist der Ausdruck des Gesamthewußtseins einer Glaubensgemeinschaft und ihrer religiösen.Stellung, in der Reinheit und Tiefe des Gottesdienstes prägt sich die Wahrheit des religiösen Bekenntnisses am klarsten ans. (Fortsetzung folgt.) Schrifttum unb Literatur ftus Bibel und Schrifttum. Von Robert Hirschfeld-Berlin. (1.' Fortsetzung.) Die beiden angeführten Kapitel zeigen deutlich eine Reihe von Unterschieden. Während das erste Kapitel die Entstehung der well nach einem gewissen Schema vom Ehaos über die niedere zur höheren Körperwelt darstellt, in der der Mensch als die Krone der Schöpfung und ihr Endziel erscheint, wird im zweiten Kapitel zuerst der Mensch geschaffen und zur Befriedigung seiner Bedürfnisse Pflanzen und Tierwelt ins Dasein gerufen. Im ersten Kapitel wird als Name des Schöpfers Elohim gebraucht, im zweiten das Wort, das wir gewöhnlich Adonnoj aussprechen, das

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