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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*" 72 toni-Ser orthodoxen Seite kennen lernte und' weil er W daß das, wa^ die Orthodoxen als Judentum be^ichnjD, mit dem, we« d«EnzeWe gelernt hat. mit dem. was er im Praktischen Leben sicht, sich nicht vereinbaren laßt. Hier ist es ja gerade die Aufgabe des Liberalismus, darzulegen und durch die Tat zu beweisen, daß man Religion und Leben in Einklang-ringen kann und muß. daß die Ergebnisse der Wissenschaft der Religion nicht widersprechen. daß die Religion das ewige, über die Zeit hinnusstrebende und ewig Seiende« ist. Und darum können wir als Liberale Iugendvereine und nur als liberale Iugendvereine diesen wertvollen Teil der jüdischen Jugend für uns in Anspruch nehmen, zu uns herüberziehen, und deshalb ist die Arbeit, die wir leisten, eine Arbeit im Interesse des gesamten Judentums. Aber noch ein anderer .Gesichtspunkt: Vor einiger Zeit stand im „Hamburger Familienblatt" eine Klage darüber, daß wir so wenig Liberale in den verschiedenen Gemeinden haben. Ja, wo sollen denn diese Liberalen eigentlich Herkommen? Wie soll denn einmal in zehn oder zwanzig Jahren der Liberalismus aussehen, wenn wir es den anderen überlassen, die Jugend zu beeinflussen, und müßig aüwarten. ob dann noch Anhänger des Liberalismus vorhanden sind. Sind wir nicht verpflichtet, mit aller unserer Kraft daran zu arbeiten, daß die spätere Zeit ein liberales Geschlecht vorfindet, das das heutige wert überragt? Ist das nicht eine Aufgabe, die wir uns zu stellen haben, die in gleicher Weise int Interesse des Liberalismus wie des Judentums liegt? Die liberale Jugendbewegung ist also eine Notwendigkcit. und die Tatsache» daß eine solche Erörterung notwendig ist. beweist, daß die Jugend bei ihrer Arbeit Schwierigkeiten zu überwinden haben wird. Wir sehen ohne weiteres ein, daß nicht alles gereist ist, was wir geträumt haben, daß nicht alles sich verwirklicht hat. was wir eigentlich erhofften; wir erkennen, daß unsere Arbeit, die wir zu leisten hoben. eine große ist. daß wir auf zwei Gebieten intensiv tätig sein müffen, in der inneren und der äußeren Propaganda, in der Erfassung derjenigen, die bereits uns angehören. in der Durchdringung dieser Massen mit der jüdisch-liberalen Idee; dann aber auch in der Gründung neuer Iugendvereine, in der Heranschaffung neuen Materials. Wir stehen noch vor einer großen Aufgabe, aber wir haben keinen Grund zum Pessimismus, denn die richtige Erkenntnis und Einschätzung Lessen, was uns fehlt, was uns von unseren Gegnern trennt, diese Erkenntnis ermöglicht es uns ja erst, die Intensität und Art unserer Arbeit zu bestimmen und Forderungen zu stellen au uns und an andere. In den Sprüchen der Vater heißt es: Aus drei Dingen beruht die Welt: 2^*7 72 auf der Lehre. yrflPCj b® 0^v7l ans dom Gottesdienst, rrttüCT 72) und auf dem Wohltun! 0*100 rrf?*03 Mit einer Seinen Variation kann man sagen, daß auch unsere Arbeit, die Arbeit der Jugend, auf diesen drei Dingen beruht. Auf der Lchre. auf der geistigen Intevessierung, auf dem Erwecken des Gefühls der Zugehörigkeit zum Judentum; auf dem Gottesdienst, wenn man daran denkt, daß Gottesdienst ja Menschendienst ist. Dienst an den anderen Menschen, Dienst im Sinne der Verwirklichung der Lehre, praktisches Judentum Und auf guten Taten beruht unsere Arbeit, darauf nämlich, daß der Besitzer geistiger oder materieller Schätze das, was er hat. den anderen zur Verfügung stellt. So bauen sich diejenigen Forderungen, die wir stellen, auf diesen drei Grundpfeilern auf: Ans der geistigen Interessierung des Einzelnen wie der Gesamtheit, aus der Erweckung des. Zugehörigkeitsgesühls tm Judentum: Da w-kr MraleIusend^retneErzichungsreine find tzmuß «ns d^nRsgerr.dgßbie Istgend. die uns MsttönchHevekÜ eene EkziehlMg genossen Hai im jüdi-. schen Sinne. imGe genfatz zu einem großen Teil der Jugend, die heute bei uns tätig ist. und damit müsse« wir auch unser Augenmerk richten auf guten Religionsunterricht. Wir haben gefunden, daß für diesen Unterricht eines fehlt, ein gutes Religionsbuch. Diese Erziehungsarbeit wird fortgesetzt m den Iugendvereinen, und darum müssen die Iugendvereine eine regelmäßige Tätüsteit entfalten, es müssen regelmäßig Borträge gehalten, es muß in den Sitzungen der Iugerüwereme auch über Tagesfrägen diskutiert werden. Wir haben eine ganze Reihe lleinerer Vereine, in denen gerade die geistige Leitung fehlt, und diese Vereine müssen dadurch unterstützt werden, daß wir ihnen Schriften zur Verfügung stellen, die sie durcharbeiten, durchsprcchen können, so daß ihnen eine Einzelarbeit. eine Gruppenarbeit ermöglicht wird. Um die geistige Interessierung sortzusetzen, bedürfen wir aber dessen, tvas vorläufig fast vollstärwig fehlt, nämlich einer Literatur, die die Grund-, läge, das Wesen und die Grenzen des Liberalismus fre*" handelt. Wie die von mir aufgestellten Thesen es fordern. Wir brauchen Schriften, die den religiösen Inhalt des Judentums behandeln, den Einfluß großer Persönlichkeiten auf die Entwickelung des Judentums — die Entwickelung religiöser Gebräuche und Anschauungen und ihre Wertung, die Entstehung des Gottesdienstes und der Gebete und dann — was wir vor allem erstreben müßten —> eine richtige und gute Bibel-Erklärung. Weiterhin brauchen wir noch ein Flugblatt, ein Blatt, das in kurze«, knappen Sätzen zeigt, was dev Liberalismus eigentlich will, gleichzeitig aber auch, was die Arbeit der liberalen Jugend Vereine erstrebt. Auf welche Art und Weife das verwirke licht werden kann, drssür sei ein Vorschlag gemacht. Cs ist vielleicht am besten, wenn man daran geht, durch Preisausschreiben Artikel und größere Abhandlungen zu erhallen und so nach und nach eine Reihe von Schriften zusammenzubringen, die das Wesen des jüdischen Liberalismus ex* schöpfend behandeln. Es genügt keineswegs, wenn diese geistige Intern effierung und die Erweckung des Gefühls der Zugehörigkeit zmn Judentum allein, vollständig allein unsere Stellung znm Iudenlmn unb innerhalb des Judentums bestimmt Wir Menschen sind nun einmal so. daß unsere Gefühle au Intensität wechseln, daß es Zeilen gibt, wo solche Gefühle überhaupt verschwinden und in Vergessenheit geraten, wen« nicht dafür gesorgt wird, sie wieder zu beleben. Wir bedürfen eines äußeren Anstoßes, einer Anreizung, um immer wieder daran erinnert zu werden. Das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum Judentum, lediglich begründet auf der geistigen Interessierung ohne jede Tat. läßt eins nicht aufkommen, was wichtig ist im Judentum, das ZnsarnMengehörigkeitsgefühl. Daher müffen wir Liberalen, wir Iunglibevalen, den Fehler vermeiden, der sich immer zeigte, wenn irgend eine Reaktion auf die Veräußerlichung des Judentums einsetzte, nämlich daß man dann alles Aeußerliche verbannte und über Bord warf. Wir müssen dafür forgen. daß die Gebräuche aufrecht erhalten werden, die das Zugehörigkeitsgefühl zmn Judentum in uns selbst wecken und den Zusammenhang anderen gegenüber zum Ausdruck bringen. Vergegenwärtigen wir uns den Unterschied zwischen einer Familie, in der ein Tag wie der andere vorüberacht, und einer Familie, wo der Freitagabend gehalten wird als ein Tag in der Woche, wo die Familienmitglieder sich zusammenfinden. Bedenken wir, wie dadurch das Zugehörigkeitsgesühl zum Judentum ge-, weckt und gesteigert, gleichzeitig aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Gesamtheit des Judentums belebt wird. Darum müssen wir auch in den Jugend-

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