Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17 — der Dinge" sich verbindet mit dem — irrationalen — Erlebnis des Offenbarungswunders, der „allzeit erneuten Geburt der Seele". — Von hier aus wird es verständlich, wieso Philosophie und Theologie keine Gegner sind, auch nicht — wie Hegel meinte — auf getrennten Wegen dasselbe Ziel erreichen, sondern vielmehr einander zur Ergänzung bedürfen, da sie erst vereint das All zu erklären vermögen.-- Wie sich von Gott aus betrachtet in der Schöpfung die göttliche Weisheit zu erkennen gibt, so in der Offenbarung die göttliche Liebe. Ihr antwortet die Liebe des Menschen zu Gott. Aber als eigentliche dem Menschen von Gott gebotene Aufgabe müssen wir die Ausübung der Liebe zum Nächsten erkennen, der Liebe nicht nur zu den Mitmenschen, sondern auch zu den Dingen. Denn die Welt, für die der „Nächste" nur Repräsentant ist, „wartet auf die Tat des Menschen", indem sie ihrerseits die Tat gewissermaßen aus dem Menschen frei macht, entbindet, um sie an sich zu binden. So sind Welt und Mensch durch den göttlichen Willen aneinander gebunden und bedürfen einander wechselseitig. Aber beide sind unvollkommen, gerade in ihrer Bedürftigkeit und harren daher der Erlösung, die ihnen nur Gott zuteil werden lassen kann, einer Erlösung, bei der Gott erst sich selber zur höchsten Harmonie in sich erlöst. — Den Zustand des Erlöstseins bedeutet für Welt und Mensch das „Reich", um dessen Kommen das Gebet daher gehen muß und dessen Dasein im Dankgebet schon vorweggenommen ist. In das Reich geht alles Leben ein; so nimmt es ewig zu an Leben. Aber da jeder Augenblick schon der letzte sein kann, so ist er in diesem Sinn ewig, und das Reich ist somit „mitten unter uns". Die ewige Zukunft des Reiches wird in die Gegenwart gebannt und dadurch die Erlösung im Bewußtsein der Anteilhaftigkeit am ewigen Reich schon jetzt mlöglich. — So vollendet sich in drei gewaltigen Bogen der Aufbau des Alls von der Schöpfung über die Offenbarung zur Erlösung, bei der es sich in Gott zur höchsten und einzigen Einheit zusammenfindet. Durchsichtig und klar steht es vor unsern Blicken, alle seine Beziehungen, seine innere Struktur sind nunmehr offenbar geworden. —--— Als etwas ganz Neues, Vorbildloses hatten wir das Werk von Rosenzweig bezeichnet, sein System, von dem wir nur einige Grundlinien aufzuzeigen versuchten, ohne es unternehmen zu wollen von der übersprudelnden Fülle der Gedanken, der eigenartigen aus einem unerschöpflichen Reichtum des Wissens und Erschauens hervorquellenden Darstellungsweise einen Begriff zu geben. Aber wenn wir näher zusehen, merken wir bald, daß dfte Ideen und Gedanken in diesem Buch nicht neu erfunden, uns unbekannt und fremdartig anmuten : nein, wohlvertraut wie eine uralte Weise klingen uns alle