Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- 16 — glänz", an dem wir „das Leben haben'.4, etwas, was uns zu der? tiefsten Tiefen, den Abgründen des Nichts und hinauf zu den höchsten Höhen, den strahlenden Gipfeln dler Wahrheit begleitet : es ist die Sprache, die keine andre ist bei Gott und Menschen und bei allen Völkern dieselbe, ob sie auch verschiedene Sprachen sprechen; man muß nur ihren geheimen Raunen lauschen, in ihren Abgrund herabsteigen und ihre tiefe Bedeutung erfassen, dann offenbart sie uns in ihren Geheimnissen die Geheimnisse des Alls. — Und der hier zu uns spricht ist ein unvergleichlicher Meister der Sprache, ein Virtuos, der diesem Instrument Töne zu entlocken weiß, die keiner darin vermutet, ein Wissender, der um die Geheimnisse der Geburt eines jeden Wortes weiß. So ist es nicht geistvolle Dialektik, wenn aus den Urworten , Ja" und „Nein" sich der Aufbau der Elemente Gott, Welt und Mensch vollzieht, sondern in der Deutung wird erst die Bedeutung ans Licht gestellt und offenbar. Jede der drei Einheiten, der drei Monismen ist in sich lebendig, in sich tatsächlich durch die Vereinigung von Sein und Wirken: bei Gott sein unendliches Wesen und seine allmächtige Freiheit zur Tat, bei der Welt ihr allgegenwärtiges Sein, der „Welt-Logos" als das Gefäß, in das sich in unaufhörlichem Sprudel die Erscheinungen hinein ergießen, beim Menschen schließlich sein Charakter und sein Wille, der zunächst nach innen gekehrt, als sein Trotz erscheint. — Die Elemente sind so aufgebaut, — ihre Besonderheit sollen mathematische Symbole in bildhafter Weise uns näher bringen — aber das All ist noch drei-gesj>alten. Es ist noch nicht das All der Tatsächlichkeit, wo die drei großen Räder ineinandergreifen. So geht denn die Synthese weiter, bei der die Wechselwirkung von Gott, Welt und Mensch erst verständlich wird. Das Wirkende in allen dreien, das bisher nach innen, dem eigenen Wesen zugekehrt war und so eine in grandioser Geschlossenheit, aber auch Abgeschlossenheit verharrende Gestalt hervorgebracht hatte, tritt nunmehr nach außen in notwendige Beziehung zu den beiden andern Elementen. Gott erscheint jetzt nach außen als Schöpfer, Welt und Mensch als seine Kreaturen. Aber es ist nicht eine einmalige Schöpfungstat, sondern in jedem Augenblick wird die Welt neu geschaffen. Doch die Schöpfung allein genügt noch nicht, um die Welt vor dem Rückfall ins Nichts zu bewahren. Wohl ist das Wesen der Welt durch die Schöpfung klar und durchsichtig geworden, aber ihre Wirklichkeit ist dadurch nicht gewährleistet. Das geschieht erst durch die allzeit erneute Offenbarung. Der Kreis des Alls wird erst gerundet, indem das verstandesmäßige Erkennen des in der Schöpfung' beschlossenen Wesens, Seins der Welt, „des immerwährenden Grunds