Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- 18 - Worte; es sind die ewigen Ideen des Judentums, die zu einem freilich noch nie dagewesenen, genialen System geordnet, sich uns darstellen. So ist das Buch durch und durch jüdisch und bescheiden tritt der Autor hinter seinem Werk zurück, indem er überall in den erhabenen Worten der heiligen Schrift, den Aussprüchen unserer alten Weisen, den Sitten und Gebräuchen unserer Religion das Urbild aufweist, das sein System des Alls nur spiegeln will, an dem sein innerer Zusammenhang, der Sinn der Darstellung Lebendigkeit gewinnt. — Und im dritten Teil des dreigegliederten Buches handelt es sich nun nicht im wesentlichen mehr um die allgemeinen Probleme: Gott, Welt, Mensch und hier wieder Menschheit und Individuum, sondern die Betrachtung gilt jetzt vorwiegend der Besonderheit des jüdischen Volkes und ihm gegenüber der christlichen Völker, der ,,Völker der Welt". Das jüdische Volk, in seiner einzigartigen Sonderstellung, besitzt schon jetzt die innere Einheit von Glauben und Leben, nach der alle übrige Welt, als zu ihrem Ziele hinstrebt; in diesem Sinne ist es des ewigen Lebens schon heute teilhaftig, einer Ewigkeit,, die materiell gewährleistet ist durch den fortlaufenden, bis ans Ende der Tage nicht versiegenden Strom des Blutes, der von einer Generation sich in die nächstfolgende ergießt. Indem aber das Feuer" des ,,ewigen Lebens" dem jüdischen Volk im Innern brennt als nie erlöschende Flamme, geht dieses Volk der Arbeit, dem Kampf um die Welt draußen verloren. So bleibt die große Welt für die Völker der Christenheit, die auf dem „ewigen Weg" von der Geburt Christi bis zu seiner Wiederkehr das Kommen des Reiches herbeiführen. Staat und Kirche und hier wieder die drei großen Aste, die aus dem gemeinsamen Stamm sich abspalten, werden in ihrem gegenseitigen Verhältnis untersucht, und es zeigt sich, wie eins zum andern die notwendige Ergänzung bildet: Staat und Kirche, Protestantismus und Katholizismus, römisch Katholische und griechisch Orthodoxe, Christentum und Judentum. — Die Festtage und der Kalender, die Sitten und Gebräuche, synagogaler Kult und kirchliche Kunst, alles erhält im Rahmen des Ganzen seinen bedeutsamen Sinn, und man sieht, wie überall bis auf den tiefsten Kern, bis an die Grenzen des Erkennens vorgedrungen wird.-- Wenn in diesem Teil die „Strahlen" auseinander gegangen, ihren Weg über die ganze Welt in die Breite genommen hatten, so wird zum Schluß, der das Ganze des Werkes krönt, noch einmal alles Licht in einem Punkte versammelt: soll das All unmittelbar erfaßt werden, so muß das jenseits von Erkennen und Erleben geschehen; denn beide können uns nur Bruchstücke der Wahrheit zeigen. Erst wenn wir der „Erleuchtung" teilhaftig werden, schauen wir das All ganz; in