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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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— 14 — nie erjagen!" Der Glauben — nicht das Meinen oder Fürmöglichhalten, sondern die feste unerschütterliche Überzeugung von der Tatsächlichkeit dessen, mit dem es die Wissenschaft zu tun hat, — ist für Rosenzweig selbstverständliche, notwendige Voraussetzung; denn eine voraussetzungslose Wissenschaft ist ein Unding, eine Unmöglichkeit in sich. Und so setzt er denn schon alles voraus als tatsächlich: Gott, Welt und Mensch. „Die Wissenschaft kann nur dazu dienen, unsern Glauben an Gott, Welt und Mensch aufzubauen". Und es wird gezeigt, daß und wieso diese, drei nicht nach einem Prinzip, als Einheit verstanden werden können, sondern jedes kraft seiner Besonderheit den Ring sprengen muß, der alles umfassen möchte. Nicht nur in ihrer Gesamtheit, sondern auch jedes für sich genomlmen, sind Gott, Welt und Mensch vom Verstände allein nicht zu erfassen. Nur auf ihr Seinshaftes, Wesenhaftes, gleichsam im Dinglichen Ruhendes erstreckt sich das Er- ■kenntnisbereich des Verstandes, des Denkens, des Rationalen; was jenseits davon liegt: das Werdende, Wirkende, Lebendige, Tathafte, das erst mit der Sache zusammen die Tat-sächlichkeit bildet, kann rein verstandesmäßig nicht erfaßt werden: es ist irrational, wobei zunächst die Frage offen bleibt, wie dies denn überhaupt vom menschlichen Geist erfaßt werden könne. So war das Erste ein Niederreißen eines Scheinwissens über Gott, Welt und Mensch, wo die Philosophie ein Wissen zu haben behauptete, und die Bahn war frei für einen Neuaufbau der drei Einheiten, wobei über das Rationale der Theologie, der Ethik und; der Logik hinausgegangen werden mußte zur Meta-Physik, Meta-Ethik und Meta-Logik. — Wie konnte der Aufbau geschehen, wo der Weg des Denkens, des Verstandes als unzulänglich erkannt war? Mußte die Straße des Irrationalen nicht mit Notwendigkeit in die Irre führen, aus der es kein Zurück mehr gab? Wo war hier Richtschnur und Leitlinie? — Es gab hier nur eine Möglichkeit: wohl war der Glaube an die Wirklichkeit des Tatsächlichen notwendige Voraussetzung. Aber deshalb war die Tatsächlichkeit nicht Ausgangspunkt für den Weg, auf dem die Wissenschaft wandeln sollte. Wäre sie das, so könnte der Weg nur aus der Tatsächlichkeit herausführen und er würde schließlich im Nichts oder in der Nähe des Nichts enden. (Diesen Weg haben bisher alle Philosophen und Wissenschaftler beschritten, indem sie von etwas, das ihnen unumstößlich sicher erschien, ausgingen, aber anstatt ,,den Himmel zu erobern", haben sie „die Erde noch verloren", indem ihre Systeme, wenn man sie konsequent verfolgt, am Ende sich vis-ä-vis du rien befanden.) Es muß vielmehr das „All" der Tatsächlichkeit unverrückbar im Auge behaltenes Ziel sein, und der Weg muß am Anfang,

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