Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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<■— 13 — zen bei all diesen Versuchen lagen, wo die Wissenschaft, die Folgerichtigkeit aufhörte und die Willkür, der „Sprung" begann. — So scheint jeder neue Versuch, mit dem Rüstzeug der Wissenschaft dem All seine Geheimnisse entreißen zu wollen, von vornherein zur Aussichtslosigkeit verdammt, und es gehört mehr als Mut dazu, wenn heute es einer unternimmt, diesen Weg zu beschreiten.--Undi doch ist er in unsern Tagen noch einmal beschritten worden. Es ist ein eigenartiger und einzigartiger Versuch, den Franz Rosenzweig in seinem tiefgründigen Buch „Der Stern der Erlösung" unternimmt: allem bisherigen Mißlingen zum Trotz den verschlungenen, nie gelösten, höchstens durchhauenen Knoten des All zu entwirren, zu lösen bis zum Ende, bis zur „Erlösung". Und das Unzulängliche hier wird's Ereignis : Ein Bau wird vor uns errichtet von einer wunderbaren Geschlossenheit und erhabenen Einfachheit; das All liegt vor nnserm Geiste ausgebreitet — nicht entkleidet des Schleiers seiner Geheimnisse, nicht beraubt seiner Wunder, aber der Schleier ist durchleuchtet gleichsam mit jenen durchdringenden Strahlen, die uns selbst aller Geheimnisse voll erscheinen, und das Wunder wird begreiflich, obschon es nicht aufhört Wunder zu sein. Es ist klar: auf den Wegen, die bisher die Wissenschaft gewandelt, konnte ein solches Ziel nimmermehr erreicht werden. Unmögliches war erstrebt worden, und so galt es zunächst einzusehen, woran alle Früheren mit Notwendigkeit scheitern mußten, um so die Bahn zu dem neuen Wege frei zu bekommen. In einem dreifachen Irrwahn — so geht die Meinung von Rosenzweig — ist die Wissenschaft zu allen Zeiten mehr oder weniger befangen gewesen: sie glaubte, voraüssetzungslos an ihre Probleme heranzugehen und war doch voll schwerwiegender, unbewußter Voraussetzungen; — sie glaubte, Gott, Welt und Mensch aus einem einheitlichen Prinzip erklären zu müssen und sah nicht, daß eine solche Einheit der Tatsächlichkeit zuwiderläuft; — und zum dritten glaubte sie, als wirklich erst dann etwas annehmen zu dürfen, wenn es den Beweis seiner Wirklichkeit erbracht habe, während doch die Wirklichkeit unbeweisbar ist. Denn sie ist erhaben über jeden Beweis; sie i s t eben und ist wirklich. Aber was soll uns dann noch Wissenschaft, wo sie doch nichts beweisen kann? Welchen Wert hat sie dann noch? Was kann sie uns geben? — Nur den Weg soll und kann sie uns zeigen, auf dem wir vom „Nichts des Wissens" aus hingelangen zum Wissen um das Tatsächliche, zu dem, was als wirklich konstatiert, als seiend und existierend geglaubt, gedacht und erlebt wird. „Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdiet's