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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Gang auf diesem Wege ist. Ganz besonders in unserer Zeit sind wir ja so überreich an schmerzlichen Erfahrungen, daß für manchen diese Bürde fast zu drückend und schwer ist, als daß sie getragen werden könnte. In solch düsteren Zeiten sucht der Mensch nach einer Erlösung von dieser schweren Last, nach einem Hoffmungsanker für die Zukunft. Da ist es gerade die Religion, die uns über das irdische Leid hinauszuheben vermag".. Wohl gibt es unter uns Menschen, die häufig durch bittere Lebensschicksale in ihrem Glauben wankend geworden sind. Aber gerade die Schwerbeladenen haben den Weg zur Religion stets! viel leichter gefunden als die Reichen und Satten, die im irdischen Glücke geistig zu. ersticken drohen. Möchte niemand mit dem Aufstieg zu Religion und Judentum^ warten, bis ihn die bittere Erfahrung des Lebens dazu treibt. Über Christentum und Judentum. Von J. W e i n s a f t (Iii-Berlin). Zwei jüngst hier im Iii gehaltene Referate geben mir Anlaß zu diesen Zeilen. Am ersten Abend sprach Pfarrer Bleyer vom Christentum, am zweiten Rabbiner Dr. Baeck über das Judentum. Das erste Referat war subjektiv, das zweite objektiv. Am ersten Abend sprach der Mensch, am zweiten der Theologe. Am ersten Abend redete der religiöse Mensch, am zweiten der Religionshistoriker. J^cn ersten Abend mußten wir zwingend erkennen, daß' es dem Redner nicht genügt, die Namen der großen Verkünder seiner Religion zu nennen und ihre Ideen zu entwickeln, daß diese Männer — ob vor oder nach Christus — nicht deshalb ihre ganze Persönlichkeit, ja ihr Leben für ihre großen Gedanken eingesetzt haben, daß man ihre Namen und ihre Ideen aufschreibt, von Geschlecht zu Geschlecht weitergibt und sie zu Geschichte macht. Nein — die vor- und nachchristlichen Verkünder haben erst dann für die Menschheit Wert, wenn sie ihr zum Vorbild und Beispiel werden. Und die Namen Christus und Tolstoi hatten für den Redner nur deshalb Bedeutung, weil er versucht, in seinem Kreise den Willen zu wecken, dem Geiste dieser Männer nachzuleben, Ein großer Teil von uns kam mit der bewußten oder .unbewußten Voraussetzung zu diesen Referaten, daß wir von vornherein besser seien als die anderen, immerhin aber versuchen müßten, einander zu begegnen. Und das ist der große Irrtum, der allerdings nicht nur auf unserer Seite begangen wird. Wir sagen: Seht, wir haben die Propheten gehabt, uns sind große Ideen verkündet worden. Doch* man kann uns er-

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