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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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widern: Ihr habt Recht, doch wir greifen ja nicht eure Geschichte an, sondern euch selbst, die ihr jetzt seid. Ihr seid bestenfalls die gleichen Menschen wie wir. Ihr habt zürn mindesten dieselben Fehler wie wir ■— ist der eine weniger ausgeprägt, so ist's der andere mehr. Ihr habt mindestens die gleichen Leidenschaften wie wir. Was nützt es, wenn ihr euch der großen Namen der Vergangenheit rühmt, wenn ihr euch mit der Fassade einmal verkündeter, erhabener Ideen schmückt. Wie ihr seid, ist das Entscheidende! Ihr rühmt euch der eurer Gerneinschaft einmal verkündeten Idee einer messianischen Zeit — .was tut ihr, um dieser Zeit auch nur um einen Zentimeter näher zu kommen? Ihr habt die doppelte Moral, genau wie wir. Auch ihr hieltet in den vier Jahren des Mordens die Gotteshäuser geöffnet, während ihre Pforten mit dreifachen Riegeln hätten verschlossen sein müssen, wenn nur eine Moral gegolten hätte. Auch ihr zieht an der Schwelle des Gotteshauses den Trennungsstrich und sprecht: Hie Gott, hie Welt! Von hier ab muß ich wieder sehn, weiterzukomimien, dazu darf ich keine Rücksicht nehmen, nicht nach rechts oder links schauen, dazu brauche ich Ellbogenfreiheit. Denn — und das ist die stets bereite Entschuldigung — stoße ich nicht, dann werde, ich gestoßen. Was die großen Verkünder vor und nach Christus letz-' ten Endes verbindet, ist der Wille, den Egoismus auf ein Mindestmaß zu beschränken und der allgemeinen Menschenliebe zum Siege zu verhelfen. Und das ist nicht Christentum, nicht Judentum, das ist Menschentum, ist Religion. Wer diese Aufgabe erkennt und an ihrer Erfüllung arbeitet, ist ein guter Mensch, und es ist gleich, ob er als Jude, Christ, M'ohamimedaner oder sonstwie eingetragen ist. Erkennt er seine Aufgabe nicht, arbeitet er bewußt gegen sie, so ist er schlecht, und es ist ebenfalls gleich, als was er eingetragen ist, aber er hat beileibe nicht das Recht, zu sagen, er sei besser, weil die Geschichte seiner Gemeinschaft bessere Menschen und größere Ideen vielleicht verzeichnet als die der anderen. Religion läßt sich nicht weitergeben, sie beginnt mit jedem Geschlecht, ja mit jedem; Menschen von neuem. Was gelehrt werden karin, ist Religionsgeschichte. Religion kann nur gelebt wrerden! Klarheit* Von Egon Dickmann, Iii-Breslau. In seinem letzten Artikel: „Das Ringen um Gott'* in Nr. 11/12 unserer „Mitteilungen*' erklärt Herr Rabbiner Dr. Goldmann zwar, nicht den Ketzerrichter spielen zu wollen,

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