Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wollen und zu können, der Mangel knechtischer, blinder Verehrung des Erfolges und des Erfolgreichen muß den Widerspruch, ja den Haß kleiner Naturen erregen. Der wendet sich dann gegen die Gesamtheit; durchaus mit Unrecht, weil nur ein einzelner oder ein kleiner Kreis ihm entgegensteht, und doch insofern mit Recht, weil er instinktiv den inneren Gegensatz fühlt, es ahnt, daß sich hier eine geistige und seelische Kluft auftut, die nicht zu überbrücken ist. Es ist, der Haß des kleinen Alltagsmenschen, der nicht über sich selbst und über den Augenblick hinaussehen kann, gegen denjenigen, der Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart in sich trägt. Es ist der Haß des Eintagsmenschen, der, wenn er den andern vernichtet, auch die überragende und tragende Idee, die ihm störend ist, zu vernichten glaubt. Dann kann er alles nivellieren und uniformieren, alles beseitigen, was über das andere emporragt, daß er allein als der überragende übrig ist. Darum aber bedeutete die Rettung der Juden damals mehr als bloß die Errettung vieler Tausende vor gräßlichem Morde. Es ist vielmehr die Erhaltung der Träger einer Idee und einer Aufgabe, der Träger der Zukunft. Das Estherbuch und das Purimfest stellt uns diesen Zwist vor Augen und zeigt das Scheitern jener kleinen Eintagsmenschen. Aber es zeigt auch die Gefahr, in der wir selbst schweben, und in die wir. die Sache, die wir vertreten, ziehen, wenn wir selbst klein werden, wie die Gegner es sind. In uns selbst die geistigen und seelischen Kräfte erneuern und stärken; dann sind wir allen Angriffen gegenüber sicher. Tragen wir die Zukunft im Herzen, es ist die Zukunft unser. Drei Wege der Religion. Von Kreisrabbiner Dr. Appel, Bingen a. Rh. Ein Religionfcstifter hat einmal den Ausspruch getan: Es gibt drei Wege, um gut zu sein. Der Weg der Nachahmung, das ist der leichteste; der Weg der Erkenntnis* das ist der schönste; der Weg der Erfahrung, das ist der bitterste. Diese Sentenz könnten wir auch auf das religiöse Gebiet übertragen und sagen: Drei Wege hat der Mensch, um religiös zu sein oder es zu werden. Der Weg der Nachahmung, Jas ist der leichteste; der Weg der Erkenntnis, das ist der schönste; der Weg der Erfahrung, das ist der bitterste. Allerdings sind es wiederum häufig diese Wege, die den Menschen dazu führen, sich von der Religion abzuwenden. Die Nachahmung und die Gewohnheit, die kristallisierte ty$£hahmung", sind maßgebende Führerinnen im menschlichen JL^ben. W|S ist nicht alles Nachahmung und Gewohnheit!