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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 222

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 222 (sequence 14)
Language
German
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— 222 — hält, so wird man ihr Wiedererwachen in unseren Tagen auch nicht anders beurteilen. Wie Kurt Nothmann sich seinen Gott vorstellt, was Egon Dickmann über Gott denkt, ist fraglos sehr interessant, aber vom jüdischen Standpunkte aus recht gleichgültig. Kurt Nothmann ist Pantheist, Egon Dickmann sieht in Gott eine »vom Menschen geschaffene Idee. Lohnt es sich nun, mit Nothmann über seinen Glauben zu diskutieren, ist es nötig, Dickmann auf seine erkenntnistheoretischen und psychologischen Irrtümer aufmerksam zu machen? Es genügt, wenn man feststellt, daß sie beide mit dem jüdischen Glauben nicht das geringste zu tun haben. Jede Verurteilung und Kritik würde nur von der Grundlage unseres Glaubens ausgehen, dessen Richtigkeit sie ja bestreiten. Darum keinen Spott über die Gottessucher, die es ernst meinen, keine Kritik der vielen Systeme, denen andere Menschen anhangen. Freilich muß wahrer Glauben verlangt wenden, nicht flüchtige Pose, nicht die Sucht interessant oder gebildet zu erscheinen. Wo wir aber echten Glauben spüren, schweige jeder Angriff. Um so schärfer ist freilich dort der Kampf vonnöten, wo er sich für jüdisch ausgibt. Der jüdische Gottesglaube steht in seinen Grundzügen fest. Wir wollen und dürfen keinen verketzern und ausschließen, der ihn nicht hat. Wer anders denkt, kann noch immer ein tüchtiger Verwaltungsjude sein und jüdische Gemeinden weise regieren, wozu ja ernste Leute da sein müssen, da sich bekanntlich die Rabbiner — teils wegen ihres kindlich-naiven Idealismus, teils wegen ihrer fanatischen Intoleranz — nun einmal hierzu nicht eignen. Er kann ein Pietätsjude werden und Vergangenheitserrinnerungen pflegen, kann als Trotzjude in diesen bösen Zeiten sehr nützliche und sehr notwendige Arbeiten verrichten, kann als Nationaljude das Judentum auf eine gänzlich neue Basis stellen wollen. Nur Relegionsjude soll er nicht sein wollen, bis er nicht den historischen jüdischen Glauben wieder angenommen hat. Man beachte aber noch, daß es nur einen jüdischen Glauben gibt, und daß der Liberalismus weit unter dem Glauben anfängt. Gewiß weiß auch ich, daß in manchen liberalen Kreisen Gott zu einem Begriff verblaßt ist, daß man um die sinaitische Q'ffenbarung mit rationalistischen Deutungen herumgeht uftd sich auch sonst von moderner Wissenschaft sehr beeinflußt zeigt. Aber ebenso wenig wie man Fremdes hineintragen darf, kann man etwas vom Glauben abhandeln. Der Liberalismus beginnt dort, wo die Beziehungen Gottes zur Menschheit beginnen. Gott selber bleibt von ihm unberührt.

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