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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 221

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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— 221 — nicht, wie müßig darum zu streiten! Das war wohl zu der Zeit notwendig, als mächtige Kirchen für Andersdenkende Scheiterhaufen errichten durften. Aber heute herrscht Freiheit und jeder kann sich für jeden Glauben entscheiden. Der Streit um Gott wird zum Glück nicht mehr mit Kriegswaffen ausgefochten. Aber ebenso unsinnig ist es, ihn durch Argumente, durch verstandesmäßige Erwägungen ff zu führen. Jeder Glaube ist sich selber Rechtfertigung, und wer einen neuen Glauben empfindet, der soll sich seine An- \ hänger suchen! Vielleicht hat er Erfolg und entthront alte % Vorstellungen. Der von mir skizzierte Gottesglaube ist der 1 des Judentums, weil Millionen und! Abermillionen von jüdi- * sehen Menschen ihm bis heute getreue Anhänger waren und i es sein werden. Wer von uns ihn empfindet, ist demnach religiöser Jude, wer etwas anderes glaubt, ist es nicht! Das '4 dürfte der einfache und klare Tatbestand sein, der sich natür- \ lieh für jene, die jeden geraden und einfachen Ausdruck für < ein Zeichen geistiger Beschränktheit ansehen, auch in die nebelhafte Sprache philosophischer Termini übersetzen läßt. £ So gefestigt wie Kurt Nothmann bin ich freilich noch .j nicht. Ich bin ehrlich genug, um zuzugeben, daß auch ich l erst auf Umwegen zu dem schlichten festen Glauben meiner * Väter zurückgekommen bin. Ich bin nicht selbst sicher genug, J um zu behaupten, daß ich diesen Glauben nie mehr verlieren; kann. Sollte es aber jemals der Fall sein, so werde ich bestimmt so mutig sein und erklä- \ ren, daßich dann nicht mehr religiös er Jude * bin! Und solcher Mut täte uns in unserer verschwommenen \ Zeit, die das Kompromiß von der Politik her auf das Gebiet '< des Glaubens übertragen hat, bitter not. Wie geht es denn % zu? Welches ist der Quell der zur gesesllschaftlichen Sitte gewordenen Sucht des Gottsuchens und der verstandesmäßi- § gen Definitionen eines Gottes„begriffs"? Wenn diese Systeme noch einem wirklichen Subjektivismus, einem star- % ken religiösen Fühlen entsprängen, ginge es noch an. Aber | sie sind in Wahrheit Assimilationsprodukte, Früchte der Einf Wirkung der Weltkultur und! der Literatur, in schlechteren | Fällen Modesache! Und wenn die Vertreter solcher Ideen | Menschen von jüdischer Abstammung sind, wenn sie irgend- | einen Grund haben, ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemein- | schaft zu betonen, so tragen sie ihre subjektiven Meinungen " jj in das Judentum hinein und vermuten nun, den Glauben des | Judentums nach ihrem; Sinne umzumodeln. Sie beginnen f dasselbe Unterlidern Einfluß von heutigen Strömungen, was im 5 Mittelalter die Religionsphilosophie tat. Und wenn man, j trotz ihrer gewiß erfreulichen Nebenwirkungen, die mittelal- ] terliche Religionsphilosophie für ein Unglück im Judentum j .jjü^.HM

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