Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 220 — wenn ich schuldig stürbe?" Kein schwacher Trost, nein, ein starker Trost ist es, der in den Worten liegt: „Es ist besser Unrecht leiden, als Unrecht tun." Das Ringen um Gott. Unter den Äußerungen, die das Problem Gott erfreulicherweise hervorgerufen hat, ragt der Beitrag von Kurt Nothmann insofern hervor, als er den Kernpunkt der Frage genau trifft. „M eine Auffassung des G o t tesbegriffs als Mensch ist gefestigt. Die Zweifel begannen für mich erst dort, wo ich mich fragte: Kann ich mit meinen Grundsätzen Jude sein? — oder vielmehr muß ich es sein? Ich bin nicht berufen, den Ketzerrichter zu spielen. Ebenso wenig will ich von vornherein verkannt haben, daß bei Menschen jüdischer Abstammung, denen Wille zum Judentum eigen ist, recht verschiedene Auffassungen über religiöse Probleme vorhanden sein können. Dennoch aber möchte ich so klar wie irgend möglich Herrn Nothmann gesagt haben* daß er nach meiner Auffassung, die sich wahrscheinlich mit der großen Mehrheit der Glaubenstreuen deckt, r e 1 i g i - öserjude nicht ist! Gott ist kein Problem!. Gott ist für den Juden eine Tatsache! Was Gott ist, wird Menschengeist niemals ermessen» und wen es tröstet, wenn er philosophische Unterstützung hat, der erinnere sich daran, daß Kant auf dem Wege der Kritik menschlichen Urteilsvermögens zu demselben Ergebnis gelangt. Es kommt nur darauf an, was der Jude von Gott gl a u b t! Und da ergibt sich aus der jüdischen Geschichte und Religionsphilosophie mit einer an Einhelligkeit grenzenden Übereinstimmung, daß die Lehre der Bibel Grundlage jüdischer Auffassung geblieben ist. Und die besagt, daß Gott der allmächtige und allwissende Schöpfer und Erhalter der Welt ist, der ewige Quell der Liebe und der Gerechtigkeit; das Urbild! aller Tugenden. Zwischen ihm und seinen Menschenkindern besteht das persönliche Verhältnis wie zwischen einem liebenden Vater und seinen Kindern. Wenn der Leib vergeht, kehrt die unsterbliche Seele zu ihm zurück.. Sein Volk Israel aber hat er am Sinai zum Träger seiner Offenbarung auserwählt, und einst wird, wenn dlie Menschheit sich zur höchsten Sittlichkeit entwickelt haben wird, der Messias kommen, der die Zeit des allgemeinen Gottesfriedens mit sich bringt. So ist klar und scharf — wenn mian will, naiv —■ der jüdische Gottesbegriff umschrieben. Ob er richtig ist oder