Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 216 — Zwang ünterliege, der mir gebietet,, so und nicht anders zu reden, allein dies wäre alles, nur keine sachliche Antwort. So lassen Sie mich' denn folgendes entgegnen: Wenn man mich auffordert, mich von diesen Gedanken zu emanzipieren, so mutet mich das gerade so an, wie wenn man einen Fisch auf-, fordern wollte, sich vom Wasser zu emanzipieren. Sind diese Verhältnisse, sind diese Zustände denn nicht die Luft, die wir atmen, wenn es auch — Txött sei's geklagt — keine Lebenslust, sondern eine muffige Stickluft ist? Und dann der Vergleich mit dem Weihnachtsfest? Es ließe sich vielleicht mit Grund die Frage aufwerfen, ob es nicht in der Tat angezeigt wäre, bei allen Festen, die heutzutage in deutschen Landen gefeiert werden, in erster Linie des herrschenden Elends zu gedenken, ob es nicht angezeigt wäre, die Festesfreude auf das durch die Zeitumstände gebotene Maß herabzustimmen und in diesem von der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes abweichenden Sinne die Feste zu feiern wie sie fallen. Allein abgesehen davon: Lassen sich denn Weihnachtsfest und Chanukkafest überhaupt miteinander vergleichen? Gemeinsam ist beiden doch nur das rein äußerliche Moment, daß das eine wie das andere ein Lichterfest ist, das Chanukkafest seit etwa 2000 Jahren, das Weihnachtsfest — und auch dieses nur in den Ländern deutscher Zunge — seit etwa 200 Jahren, denn nur in diesen kennt manden Weihnachtsbaum mit den brennenden > Kerzen und auch hier ist er geschichtlich nicht vor dem i& Jahrhundert nachweisbar. Daß die beiden Feste sonst nichts , miteinander gemein haben, bedarf doch wohl keiner Begründung. Wir haben es heute nur mit dem; Chanukkafest zu tun und hier bleibe ich gegen jeden Widerspruch bei der Behauptung, daß ich mich durchaus im Rahmen des durch seine,Bedeutung geschaffenen Gedankenkreises halte. Wer einen Sieg feiert, der darf, wenn er seiner Aufgabe gerecht werden will, den vorausgegangenen Kamlpf, der darf die Probleme, die geistigen Kräfte, welche zu ihm geführt, welche in ihm gewirkt haben, nicht mit Stillschweigen übergehen. Zu welch anderem Zweck singen wir denn das Lied: Moos zur Jeschuosi? Wollte Gott, es hätte sich bei jenem Sieg nicht bloß um eine Etappe in dem bis auf den heutigen Tag, vielleicht bis an das Ende aller Tage andauernden Kampf gehandelt, wollte Gott, es wäre damjals ein endgültiger Sieg errungen worden, es wäre damals das Judentum zur unbestrittenen Anerkennung seiner geistigen Bedeutung gelangt, es wäre seither von jeder Anfeindung, von jeder Gehässigkeit verschont geblieben, dann, aber nur dann wären jene Kämpfe eine geschichtliche Episode, die ihre praktische Bedeutung für die Gegenwart längst verloren hätte. Da dies aber ein schöner Traum geblieben ist, so halte ich es für meine Pflicht,