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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 215

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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— 215 — Nun darf ein Zeuge, der geschworen hat, die ganze Wahrheit zu sagen, nicht nur nichts hinzusetzen, er darf insbesondere auch nichts verschweigen und so sei ihnen denn auch der weitere Verlauf der Sache nicht vorenthalten. Das Unternehmen glückt, Valencia wird erobert und unermeßliche Schätze fallen dem Sieger in die Hände. Was sagt er jetzt? Auch zweitausend Silberstücke Stelle den ehr haften Juden Israel und Benjamin Bittend zu, mir zu verzeihen Meine allereinz'ge Lüge . Die ich lebenslang beging. Die verpfändeten zwei Kasten, Die verschlossen sie annahmen, Glaubten sie voll guten Goldes, Und sie waren voller Sand. Dennoch war es keine Täuschung; . Denn das Wort war in den Kasten, Und mein Wort ist gutes Gold." Ich frage Sie: Steht es jetzt besser um die Sache unseres Helden? Sind dies ernst zu nehmende Entschuldigungen oder -weiter nichts als hohle Redensarten? War es in der Tat so, daß der Kasten das Wort des Cid in sich barg? Wird durch diese klingenden Phrasen mehr bewiesen, als daß es sich äußersten Falls nur um einen sogenannten Kreditbetrug handelte? Bleibt nicht die Tatsache unerschüttert, daß der Cid niemals in den Besitz des Geldes gelangt wäre, wenn die Betrogenen gewußt hätten, daß der Kasten nur wertlosen Sand enthielt? Und wenn sein Unternehmen mißlungen, wenn er etwa bei dessen Durchführung gefallen wäre, glauben Sie, die beiden Juden hätten jemals einen Pfennig ihres Geldes wiedergesehen? Vielleicht werden Sie sagen, jedenfalls ist dies schon gesagt worden, es sei unangebracht, am Chanukkafest der Kinderbescheerung solche trüben Betrachtungen vorauszuschicken und Jahr für Jahr von diesem Faden eine andere Nummer zu spinnen. Ist rnlir nicht von wohlmeinender christlicher Seite schon entgegengehalten worden: Sie haben ja vollständig Recht, aber warum immer von Dingen reden, die Sie doch nicht ändern können, von Dingen, deren Erörterung eine richtige Festesstimmung nicht aufkommen läßt? Suchen Sie doch wenigstens für diesen.einen Abend sich von ihnen zu emianzipieren. Reden denn etwa wir an unserem Weihnachtsfest von dem verlorenen Krieg, von der staatlichen Umwälzung, von all dem Elend, das über unser Volk hereingebrochen ist? Ich könnte mich darauf beschränken, mit dem Propheten Jesaja zu erwidern, daß ich eben einem inneren

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