Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f ywfsp^w^*:^^^'*" '-r'> *vf v >. *v y -,« >__ 4 . " - ' ' . „ r . - > *-r , ■; 'i ' I ' ' , . — 213 — weiß, ob es sich nicht auch hier um eine über uns verhängte Prüfunghandelt, um eine Prüfung,' dazu bestimmt, in uns den Entschluß zu festigen: „Jetzt erst recht nicht". Gegenüber einer Macht, die mit den verwerflichsten Mitteln der Lüge und der Verleumdung arbeitet, die uns für alle Opfer an Gut und Blut, für alle selbstlose Hingabe in der Zeit der Not, ich wrll nicht sagen, solch schnöden Undank ■— denn wir haben weder Dank noch Lohn jemals erwartet oder beansprucht — wohl aber eine solche Quittung präsentiert, dürfen wir nicht feige zurückweichen. Mögen wir im übrigen zum Judentum stehen, wie wir wollen, hier müssen wir um der Ehre'und Selbstachtung willen eine Einheitsfront bilden und durchhalten bis zum bitteren Ende. Ist die Sache denn aber in der Tat so schlimm? Sehe ich vielleicht wieder einmal schwärzer als schwarz? Ich will für heute aus der Fülle des Materials nur einen Gesichtspunkt in den Vordergrund stellen. Weshalb, so frage ich, sind wir angesichts der uns umtobenden Hetze manchmal wie vor den Kopf geschlagen? Ist es wirklich nur deshalb, weil hier alle Regeln der Logik und der Moral aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt sind, weil an unser Tun in der empörendsten Weise ein anderer Maßstab angelegt wird als an das unserer Umgebung, weil jede, auch die nach unserem Empfinden schlagendste, ja geradezu unwiderlegliche Verteidigung gar nicht angehört, sondern im günstigsten Falle mit eisigem Schweigen, mit verächtlichem Achselzucken, im ungünstigsten mit kaltem schneidendem Hohn abgelehnt wird? Das alles ist schlimm, aber schlimmer ist doch die Tatsache, daß auch Männer, Welchen die Ehre als das höchste gilt, welche gegenüber ihresgleichen niemals etwas tun würden, das mit den strengsten Gesetzen der Moral nicht im Einklang stände, sobald es sich um die Juden handelt, eine gänzlich andere Haltung einnehmen, daß die Juden für sie noch heute das odium generes humani, der gemeinsame Feind des Menschengeschlechts sind, daß sie deshalb Handlungen, welche sie sonst als verwerflich von sich weisen würden, nicht nur bei anderen entschuldigen, sondern gegebenen Falls auch selbst begehen, sich ihre/ rühmen und da* mit — von vereinzelten Ausnahmen abgesehen ■— auf allgemeine Zustimmung rechnen dürfen. Wollen Sie ein Beispiel, ein im engsten Sinn des Wortes klassisches Beispiel, um so eindringlicher, um so wirkungsvoller, je weniger es den Charakter eines persönlichen Erlebnisses an sich trägt, je. weiter der Abstand ist, der uns von Personen und Ereignissen trennt. Hier ist es. Sie kennen alle aus der deutschen Literatur den von einem ihrer edelsten Vertreter, von keinem Geringeren als Johann Gottfried Herder unter dem Titel „Der Cid" veröffentlichten Romanzen-Zyklus; Ein verhängnisvoller Zufall