Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 199 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 199 — Schülerinnen — eine so ausgezeichnete Parteischulung erfahren, daß sie voller Begeisterung für die zionistischen Bestrebungen unermüdlich wirken, das sind — wenn man so sagen darf — die persönlichen Gründe für den Erfolg des Kongresses. Zu den taktischen Maßnahmen sind ferner zu zählen die Behandlung der Ostjudenfrage und die Frage der jüdischen Volksschule. Hier haben sich die Zionisten als vortreffliche Psychologen bewährt. Denn während sie bei der Behandlung der ersten Frage mit bestem Erfolge auf „das jüdische Herz", •d. h. das jüdische Mitleid spekuliert haben, — schon der selige Karpeles prägte das Wort von dem trefenen Magen und dem koscheren Herz der Liberalen — und auf diesem Wege die jüdische Arbeiterfürsorge und das jüdische Arbeitsamt geschaffen haben, die beide unter zionistischer Leitung stehen, ja überwiegend Zionisten in den Büros beschäftigen — nur wenige Konzessionsliberale sitzen in dem unschädlichen Ehrenvorstand — haben sie bei der Behandlung der zweiten Frage die Erhaltung der jüdischen Religion und den Kampf gegen den Antisemitismus als Gründe für die Errichtung jüdischer Volksschulen ins Feld geführt. Der Zionismus, dessen Führer zum allergrößten Teile nichts weniger als religiös sind, wollen die Religion erhalten! — „Es ist schwer, hierüber keine Satire zu schreiben." Sie, die Führer, welche zum Teil im Hauptvorstand des Zentralvereins Sitz und Stimme haben, dessen Zweck einzig und allein die Bekämpfung des Antisemitismus ist, agitieren für die Errichtung jüdischer Volksschulen, als eines Mittels für die Bekämpfung des Antisemitismus! Sie, die ihre eigenen Kinder nicht in die Gemeindeschulen schicken mögen, weil sie sie von der Berührung mit den Proletarierkindern fernhalten wollen und darum ihre Sprößlinge den Vorschulen zu den höheren Lehranstalten und, nach deren Abbau, den Privatschulen, privaten Schulzirkeln oder gar Hauslehrern anvertrauen, haben plötzlich ihr demokratisches Herz entdeckt, weil sie politisch der demokratischen oder der sozialdemokratischen, ja bisweilen der unabhängigen und kommunistischen Partei angehören," und verlangen jüdische Volks schulen! Wir müssen aber diesen Herren die Larve vom Gesicht reißen und ihnen sagen, daß wir ihre eigentlichen Beweggründe kennen. Nicht Gründe der Humanität a 11 e i n -robwohl auch diese, jedoch nur teilweise, ausschlaggebend sind — bestimmen ihr Verhalten zur Ostjudenfrage in Deutschland, und nicht n u r religiöse, demokratische oder Gründe der Abwehr leiten sie bei ihrer Forderung nach jüdischen Volksschulen! — Was sie im Grunde bei ihrem Verhalten beabsichtigen, ist nichts anderes als die För-