Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 197 — sehen Besitzungen der im Kriege unterlegenen Türkei. Zur Sicherung seines Handels, zur Industrialisierung des Landes, zur Hebung der wirtschaftlichen Produktion, vor allem aber um in Palästina, das seit uralten Zeiten die Völkerstraße vom Oxident zum Orient gewesen ist, eine politisch zuverlässige Bevölkerung zu erhalten, hat mit bekannter diplomatischer Klugheit England die nationalen Bestrebungen* der Zionisten nach Kräften unterstützt, ohne freilich — genau sowie die Zionisten — die eigentlichen Gründe einzugestehen, sie hat es, wie stets, auch hier verstanden, ihre Absichten unter dem Deckmantel der . Religion bezw. der Humanität zu verhüllen, und sie hat selbst in den Kreisen der sogenannten Idealzionisten, die doch auch tüchtige Geschäftsleute und Staatspolitiker zu den Ihrigen zählen, für die von ihr öffentlich vorgebrachten Gründe Glauben gefunden. Als die Mehrzahl der deutschen Juden die eigentlichen Beweggründe dieser „judenfreundlichen" Politik Englands erkannte und sowohl in den politischen, als auch in den jüdischen Zeitschriften das Ränkespiel enthüllte, als diesen Eröffnungen gegenüber die Lüge von der großen Mehrheit der deutschen und außerdeutschen Juden, welche sich zum Zionismus bekennen, nicht länger standhalten konnte, da wandten die Zionisten ein „verflucht gescheites" Mittel an, um ihre Reihen zu vergrößern. Sie erfanden die These von dem Aufbau Palästinas, dem Keren hajossed, zu dessen Verwirklichung — so deduzierten sie — jeder Jude, der auch Nichtzionist ist, beitragen könne, denn es gelte den östlichen Pogromopfern, die noch am Leben geblieben sind, ein gesichertes Heim zu verschaffen. Daß aber von den eingehenden Beiträgen 20 Prozent für zionistische Propaganda zurückgestellt, daß Palästina ein jüdisches Land für das jüdische Volk, daß eine besondere jüdische Kultur vorbereitet und1 gepflegt werden soll, das verschwiegen clie klugen Taktiker wohlweislich, ja sie leugneten sogar diese Ziele ganz energisch ab, bis sie endlich auf dem Karlsbader Kongreß ihre eigentlichen Absichten nicht mehr verheimlichen konnten. Auf diese Weise war es ihnen gelungen, selbst liberale Rabbiner, Mittelparteiler und Führer der sogenannten „neutralen" Verbände für ihre Ziele zu gewinnen. So förderten sie ihre Absichten, soweit sie nicht nur die äußere, sondern auch dieinnere Politik des Zionismus betreffen. Die Ziele der inneren zionistischen Politik sind ebenso allgemein bekannt. Es sind: Die Eroberung der Gemeindestuben, die Gründung jüdischer Volksgemeinden, die Schaffung einer rechtlich begründeten und mit öffentlichen Rech- . ten ausgestatteten jüdischen Minderheit in allen Ländern der Diaspora, in erster Reihe in Deutschland. Wenn die liberalen,