Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 196 — Aufgabe des wahren Liberalismus, im jüdischen Empfinden diejenigen Momente auf> «tisju'chen,'zu betonen und f ortzugestalten^ die unmittelbar das Religiöse in sich befassen. Der Weg, der nichts anderes ist als eine jüdische Konfession zu konstruieren, mit der man sich vor den Gojim nicht zu genieren braucht., widerstreitet dem innersten Cha» rakter jeder religiösen Entwicklung im allgemeinen wie dem jüdischen Geist im besonderen. Wir müssen uns bemühen, den anderen einzuschlagen, dessen theoretische Voraussetzungen hier in aller Kürze zusammengedrängt sind. Was nun? Von Hermann Becker* Berlin. I. Der zionistische Weltkongreß in Karlsbad ist vorüber. Es ist nicht zu leugnen — und das müssen auch wir Nichtzionisten anerkennen — daß der Erfolg den Vorbereitungen vollkommen entsprochen hat, wenn auch die Auseinandersetzungen mit den Misrachi am Schlüsse des Kongresses recht lebhaft gewesen sind. Wir wollen selbstverständlich nicht die Verhandlungen, noch weniger, aber die Resultate des Weltkongresses kritisieren, wir wollen vielmehr untersuchen: i. Was hat den'Zionisten zu ihren bisherigen großen Erfolgen verholfen~? 2. Was müssen die Nichtzionisten angesichts dieses Erfolges tun? II. Was den Zionisten zu ihren bisherigen großen Erfolgen verholfen hat, das sind politische, taktische und — seien wir offen, weil die Erkenntnis bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist — persönliche Gründe. a) Die politischen Gründe betreffen sowohl Fragen der äußeren, als auch der inneren Politik. In welchem Zusammenhange die zionistischen Erfolge mit der äußeren Politik, der allgemeinen Staatspolitik, stehen, ist unseren Lesern bekannt. Wir können uns daher darauf beschränken, diesen Zusammenhang in aller Kürze zu resümieren. Der Friedensvertrag von Versailles, der eine ganz neue Weltordnung festsetzen wollte, hatte für Deutschlands Kolonien, sowie für die türkischen Besitzungen in Asien sogenannte Mandatare eingesetzt, d. h. Staaten, welche im Namen und im Auftrage des Völkerbundes diese von ihrem Hauptstaate abgetrennten Länder verwalten sollten, in Wirklichkeit aber die Mandatsländer einfach wie Annexionen regierten. Ein solches Schicksal traf auch Palästina, als eine der asiati-