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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-10-01 · Heft 10 (Oktober 1921) · p. Seite 194

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 10 (Oktober 1921)
Date
1921-10-01
Page
Seite 194 (sequence 6)
Language
German
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— 194 — leben will. Von den ältesten Tagen ab bis auf diese Stunde fühlt jeder Jude, und zwar in einem ganz anderen als . bloß rassenmäßigen- Gefühl, die Einheit seines Stammes als das wahre Zentrum seines Selbst, Die Bibel ist in diesem intensivsten aller Gemeinschaftsgefühle so weit gegangen, daß sie sogar trotz Universalismüs und ethischen Monotheismus den einzigen Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, für Israel besonders in Anspruch genommen hat. Wir haben trotz dieses Universalismus auf die Reinheit unseres Blutes gehalten als religiöse Pflicht. Nicht als rationales, als gottgewolltes Gebot ist das allzeit empfunden worden. Wir empfinden uns bis auf den heutigen Tag als Menschen besonderer Prägung, und zu allen Zeiten ist dieses, d. h. das unmittelbarste Leben, aber nicht der weltgeschichtliche Optimismus und nicht einmal die Einheit des Menschengeschlechtes in einem Gott von Juden als das ursprünglich Jüdische verspürt worden. Diese Überzeugung hat gar nichts mit Nationalismus oder gar Zionismus zu tun, ist auch nicht etwa der ganz simple und nur aufgebauschte Ausdruck der Tatsache, daß wir nun einmal gemeinsamer Abstammung sind, sondern die Wucht der ideellen und materiellen Solidarität, die Kraft des KLAL-ISRAEL» Gedankens, ist in ihrer absoluten Gefühlsstärke die Grundlage jedes jüdischen Empfindens. Hiervon zum Zwecke — man denke des religiösen! Aufbaues — abstrahieren wollen, kann nur jemand, der prinzipiell nicht auf der Erde, sondern im freien Luftraum Gebäude aufführt. Um es ganz deutlich zu machen — und als Kronzeuge mag das größte religiöse Genie des na.chbiblischen Judentums, Jehuda Halevy, gelten — um dar überwältigenden Kraft willen, die das jüdische Einheitsgefühl hat, mit dem in alten Tagen sich der schlichte Glaube verband, daß Gott diesen Stamm, jeden einzelnen Menschen, zu seinem besonderen Dienste erkoren hat, was moderne Ausleger in den Weltmissionsgedanken umgebogen haben, um dieser einzigartigen Kraft willen, die in der jüdischen Seele strömt, und die wirkliches Leben und kein Gedanke und keine Weltanschauung ist, ist Klal-Israel das erste jüdische Dogma, aber ein Glaubenssatz des Lebens und nicht der starren Theorie. Wir haben das Schicksal, über entscheidende Wertungen und grundsätzliche Gedankeneinstellungen uns stets bei anderen Rat oder gar diktatorische Vorschrift einzuholen. So spukt in unseren Köpfen, von nicht-jüdisehen Professoren der Theologie dahinein verpflanzt, der Unter* schied zwischen Weltreligion und" Stammesreligion, zwischen hochzuwertendem Universalismus und einem Partikularismus minderer Güte, und so haben die besten und feinsten unserer Denker sich an das Werk gemacht, israelitische Religion als Universalismus sans phrase hinzustellen. Nach dieser Rieh-

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