Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 182 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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—■ 182 - we r k noch so s p ät niedergeschrieben worden sein: Mose selbst — darüber gibt # es unter den Forschern keinen Streit — hat f r ü h e r gelebt als die Propheten und die Psalmdichter, als die Schriftgelehrten und die Religionsphiiospphen. Und darum wird die Thora, auch wenn die Forscher der Neuzeit im Recht sein sollten, ihre Vorzugsstellung weiterbehaupten, als dasjenige Buch, dasunsdieunsterblichenGedankenundLehren unseres Mi ose aufbewahrt hat, jene Gedanken und Lehren, an denen sich die Propheten und die Gelehrten, an denen sich die jüdischen Denker und Dichter begeistert und mittels derer sie das Judentum weitergebildet, vertieft und ve rinnerlicht haben. Darum wollen wir das ganze Jahr hindurch über unsere Thora und ihre beglückenden Gedanken und Lehren Freude empfinden. Ganz besonders aber wollen wir Freude über die Thora empfinden am SimchasT hauroh, an dem Tage, der ausdrücklich der Thora gewidmet ist. Wir wollen Freude empfinden, über den Glauben an den einzigen, ewigen, heiligen Gott, wie ihn die Thora aufgestellt hat. Wir wollen Freude empfinden über das Verhältnis, wie es die Thora schildert zwischen Schöpfer und Geschöpfen mit den Worten: „Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gott." Wir wollen Freude empfinden über die hohe Stufe, auf welche die . Thora den Menschen gestellt hat durch den Ausspruch: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde". Wir wollen Freude empfinden über die von der Thora aufgestellte Forderung: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin. ich, der Ewige, euer Gott". Wir wollen Freude empfinden über die Grundlage, welche die Thora der jüdischen Sittenlehre mit der Forderung gegeben hat: ,,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wir wollen Freude empfinden über die Sabbate und die Feste und über andere Einrichtungen und Vorschriften, die uns die Thora gegeben hat zu unserer Beglückung und unserer Heiligung. Wir wollen Freude darüber empfinden, daß Gott uns aus den Völkern auserkoren und uns seine Thora gegeben und daß er durch dieses Geschenk ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt hat. Zum Wiederaufbau des liberalen Judentums* Von Dr. B. Kellermann. Im Jahre 1910 erschienen die Richtlinien des liberalen Judentums. Man kann ruhig behaupten, daß seit dieser Zeit das liberale Judentum sanft entschlafen ist. Zwar erscheinen liberale Monatshefte und Zeitungen und sonstige periodische