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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. Seite 181

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 9 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 181 (sequence 17)
Language
German
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— 181 — , Unter diesen heiligen Schriften nun hat seit jeher die Thora-jdie bedeutendste Rolle gespielt. Nur die Thora befindet sich in der heiligett Lade, nicht auch die übrigen heiligen Bücher. Wegen der Bevorzugung der Thora hat man von anderer Seite unserm Judentum einen Vorwurf gemacht. Man hat gesagt, die maßgebenden jüdischen Kreise hätten die Thora übersehätzt und die übrigen heiligen Bücher unterschätzt. Man hat gesagt, die Prophetenbücher, die Psalmen, das Buch Hiob und andere biblische Schriften enthielten zum Teil noch erhabenere religiöse Gedanken als die Thora; dieser offenkundigen Tatsache hätte die jüdische Gelehrtenwelt lceine Rechnung getragen. Sollten unsere^ großen Weisen •dies wirklich übersehen haben? sollte ihnen der ungeheure Wert der andern heiligen Bücher wirklich nicht genügend zum Bewußtsein gekommen sein? Nein, die Bevorzugung der fünf Bücher Möse, die wir kurz als die Thora, die Lehre, zu bezeichnen pflegen, geschah und geschieht noch heute mit vollem Bewußtsein. Diese Bevorzugung ist freilich nicht so gedacht, daß damit eine geringere Bewertung der übrigen heiligen Bücher ausgesprochen werden soll. Wohl aber soll mit dieser Bevorzugung ausgesprochen werden, daß die Thora der Grundstein ist, auf dem das Gebäude des Judent u ms sich aufbaut, daß sie die Quelle.ist, die reine, klare Quelle, auf die die Verfasser «der übrigen religiösen Schritten;zurück-, gehen« Sie alle, die Propheten und die Psalmdichter, die Schriftgelehrten ufid die Philosophen, sie alle gehen bewußt .auf Mose zurück und sprechen es unumwunden aus, daß e r sie zu ihren Gedanken und ihren Forderungen angeregt und begeistert hat. Aus der Quelle, die Mose erschlossen, haben sie alle geschöpft. Durch den Labetrunk aus dieser /Quelle gestärkt,, haben die Prppheten ihre Reden gehalten, haben die Psalmjdichter ihre Gesänge angestimmt, haben die Schriftgelehrten dem Bibelwort nachgeforscht, haben die Rcligionsphilosophen ihre Gedankengebäude aufgerichtet. Nun haben allerdings neuere Bibelforscher, die Behauptung aufgestellt und haben, unter Aufwand großer Gelehrsamkeit, den Nachweis zu bringen versucht, daß die Thora den Prophetenbüchern nicht vorausgegangen, sondern erst geraume Zeit nach ihnen geschrieben worden sei. Das dürfen wir ehrlicherweise nicht verschweigen. Allein selbst zugegeben, jene Forscher hätten Recht, zugegeben, die Thora sei später entstanden als die Bücher der Propheten, so würde sie gleichwohl die Ausnahmestellung verdienen, die ihr von jeher zugebilligt worden ist. Denn die Thora spiegelt doch die Gedanken Moses wider. Mag die Thora a 1 s S c h r i f t-

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